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Klepper, Richard (∗1874-♱1933)

Richard Klepper (∗01.07.1874 in Breslau - ♱24. Juni 1933 in Hirschberg (Jelenia Gora), Niederschlesien) war ab 1921 für wenige Jahre kommissarischer Bürgermeister der Stadt Ruhland. Wie lange er Bürgermeister war, konnte bisher nicht ermittelt werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er 1928 kein Bürgermeister mehr war. Das geht aus den weiter unten zu seiner Frau Anselma ermittelten Daten hervor, jedoch kann das bisher nicht nachgewiesen werden. Auch über seine Herkunft ist kaum etwas bekannt. Eine intensive Suche in den Archiven und Registern war bisher (2026) weitgehend erfolglos. Die Aktenlage ist sehr spärlich.

Bekannt ist lediglich, dass er eine gewisse Zeit in Ratibor und Cosel, KRS Cosel, RBZ Oppeln, PROV Oberschlesien, lebte. Er wurde 1874 in Breslau geboren. Im Jahr 1900 wohnt er in Cosel im Kreis Ratibor, 1901 in Ratibor selbst und 1921 in Ruhland. In Cosel befand sich das 3. Oberschlesische Infanterieregiment No. 62. Dort leistete er seinen Militärdienst im Dienstgrad eines Königlichen Leutnants. Er heiratet Anselma Baumgrt, wann und wo, das ist bisher nicht bekannt. 1900 wird in Cosel seine Tochter Vera geboren, 1901 kommt sein Sohn Hellmuth in Ratibor zur Welt. Ob noch weitere Kinder aus seiner Ehe mit Anselma Klepper, geb. Baumgart, hervorgingen, ist bisher nicht bekannt.

Hier ein kleiner Rückblick auf die Forschungsgeschichte zu seiner Person.

Aufmerksam wurde ich auf Richard Klepper als ich seine Chronik der Stadt Ruhland erhielt und das Vorwort las. Dort schreibt er selbst, dass er im Jahr 1921 als kommissarischer Bürgermeister der Stadt Ruhland eingesetzt wurde. Unter welchen Umständen dies geschah, konnte ich bisher nicht ermitteln. Es gibt sehr wenige Lebensdaten und es sind nur wenige Hinweise über sein Leben auffindbar.

Wer war Richard Klepper?

Ein freundlicher User in der Niederschlesien-Liste hatte mich darauf hin gewiesen, dass der Name Richard Klepper auf einer Geburtsurkunde seines (Richard Kleppers) 1. Kindes, einer Tochter, mit Namen Vera (∗1900-♱1989) verzeichnet - und diese Urkunde sogar öffentlich zugänglich ist. Zusammen mit dieser Geburtsurkunde wies er mich auf ein weiteres Kind, nämlich Hellmuth Richard Ade[l?]bert (∗1901-♱?), hin.

Für die Tochter fand ich dann den Taufregistereintrag im Register der evangelischen Gemeinde zu Cosel, KRS Cosel, RBZ Oppeln, PROV Oberschlesien. Besonders dieser Taufregistereintrag ist interessant. Er enthält einige wichtige Hinweise!

 

 

Folgende zwei Aspekte sind besonders interessant. 1.) Richard Klepper war verheiratet mit einer Frau namens Anselma Klepper, geborene Baumgart. Da der Name Anselma nicht gerade sehr verbreitet ist, war dies ein Ansatzpunkt für die weitere Suche. 2.) Der Taufregistereintrag listet die Taufpaten auf, und da wird es besonders interessant.

Taufpaten sind 1.) Frau Rechnungsorg? Ottilie Kleppe(r) aus Breslau, 2.) Frau Selbstbesitzer? Anna Kunze Laurahütte? bei Katowitz, 3.) Herr Pastor Georg Klepper aus Beuthen a/d Oder (Glogau), 4.) Frl. Elise Weidlich aus Dresden und 5.) Frau Hauptmann Margarete Lissa?. (wer die Schrift besser lesen kann, den bitte ich um Korrekturvorschläge)

In der rechten Randspalte befindet sich der Hinweis: Die Taufe vollzog Pastor Klepper aus Beuthen an der Oder.

Der Hinweis, dass Georg Klepper aus Beuthen an der Oder das Kind getauft hat, lässt darauf schließen, dass der Vater des Kindes, Richard, in einer verwandtschaftlichen Beziehung zu Jochen Klepper, dem berühmten evengelischen Theologen, Schriftsteller und Dichter geistlicher Lieder, stand. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass ein Fräulein Elise Weidlich ebenfalls als Taufpatin genannt wird. Möglw. handelt es sich bei Elise um eine Tochter des Bruders der Ehefrau von Georg Klepper [also kurz, die Nichte]. Seine Ehefrau hieß Hedwig Luise Betty Weidlich (die Vornamen befinden sich auf der Heiratsurkunde StA B/70/1894 Ohlau) und sie hatte einen Bruder mit Ehefrau in Nürnberg mit Namen Konrad und Luise Weidlich. Das sind also Onkel und Tante von Jochen Klepper. Demnach dürfte Elise seine Cousine sein.

Im Grunde bedeutet das, dass der kommissarische Bürgermeister von Ruhland, Richard Klepper, mit Sicherheit ein Verwandter von Jochen Klepper ist. Möglicherweise ist er sein Onkel. Der Nachweis steht aber noch aus.

Wo aber kam Richard Klepper her und wo ging er nach seiner Tätigkeit als Bürgermeister hin? Das ist bisher nicht geklärt.

Folgende Zusammenhänge konnte ich bisher jedoch bereits ermitteln.

Wenn schon von Richard (bisher) jede weitere Spur fehlt, so gibt es doch einige Puzzleteile, aus denen sich das Schicksal seiner Frau und seiner Kinder lückenhaft rekonstruieren lässt.

 

Zuerst einmal wäre es denkbar, dass Anselma, während seiner Tätigkeit in als Bürgermeister, ebenfalls in Ruhland gewohnt hat. Das zu prüfen, dazu würde ein Blick in das Ruhlander Adressbuch genügen. Und in der Tat findet sich im Ruhlander Einwohnerbuch von 1927 der folgende Eintrag:

Klepper Anselma, verh. Bürgermeister a.D., Wallstraße 1

[Herzlichen Dank bei dieser Recherche an das Stadtarchiv Hoyerswerda!] Nun befand sich das Rathaus in der Wallstraße 1 und dort befand sich auch eine Dienstwohnung. Dieser Eintrag sagt, dass Anselma 1927 noch in Ruhland gewohnt hat und ihr Mann bereits außer Dienst (a.D.) gestellt wurde.

Warum ihr Mann als Bürgermeister nicht im Einwohnerbuch eingetragen ist, ist etwas seltsam. Zu dieser Zeit war es nicht üblich, Frauen in die Adressbücher einzutragen, es sei denn, sie waren verwitwet oder sie waren die Grundstückseigentümerinnen, wobei letzteres eher selten war. Warum also war nur Anselma Klepper im Einwohnerbuch verzeichnet und nicht ihr Mann, der Bürgermeister selbst? War er möglw. zu dieser Zeit schon verstorben? Nein, das war er nicht. Diese Frage konnte zumindest zwischenzeitlich durch das Auffinden seiner Sterbeurkunde in Hirschberg geklärt werden. Dort wohnte er mit seiner Frau und seiner Tochter Vera. Sein Sohn Hellmuth ist in Hirschberg jedoch nicht nachweisbar.


Zwei Monate, nachdem mit der o.g. User die Hinweise auf die Kinder von Richard gegeben hatte, kontaktierte mich ein anderer User und stellte mir eine Liste zur Verfügung, auf der Anselma und Vera verzechnet waren.

Die etwas kryptischen Eintragungen lauteten:

Klewin, Ida (∗? in Cunnersdorf - ♱01.10.1960 (75)) in Altenhagen II, Mutter. Anselma Klepper
Klepper, Vera, „Schwester“, Hirschberg, Schützenstr. 19, jetzt Behringausen üb. Meschede/Westf.,
Heilstätte, Vermess.-Oberinsp. SB1953/S.14

Daraus schloss ich, dass Vera und Anselma in Hirschberg wahrscheinlich zusammen gewohnt haben müssen. Richard war an dieser Adresse leider nicht eingetragen. Diese Einträge stammen aus einer Vertriebenenliste der „Schlesischen Bergwacht“ aus dem Jahr 1956 und geben einen Hinweis auf den letzten Wohnort von Mutter und Tochter. Auch der Bruder von Vera Klepper ist leider nicht genannt. Sein weiterer Lebensweg ist noch ungeklärt.

Der nächste wichtige Hinweis war der Zusatz „Schwester“ nach dem Vornamen Vera. Zuerst dachte ich, dass es sich um eine Ordensschwester handle. Es hat sich aber herausgestellt, dass Vera eine Schwester der 1875 in Breslau gegründeten DRK Augusta-Schwesternschaft war.

Wenn jedoch Mutter und Tochter bis zum Kriegsende in Hirschberg gelebt haben, so wäre es denkbar, dass Richard vielleicht dort verstorben ist?

Das fürte mich zum standesamtlichen Sterberegister Hirschberg - und siehe da, dort ist seine Sterbeurkunde archiviert.

 

StA C/188/1933 Hirschberg StA C/188/1933 Hirschberg
StA C/188/1933 Hirschberg

C. = Sterberegister

Nr. 188

Hirschberg, den 24. Juni 1933

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit
nach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . be kannt,
der Kaufmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Georg Kopbauer
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
wohnhaft in Hirschberg, Markt 29 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
und zeigte an, dass der Hauptmann außer Dienst
Richard Klepper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
58 Jahre alt, . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
wohnhaft in Hirschberg Steinstraße 10
geboren zu Breslau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
verheiratet mit Anselma Klepper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
geborene Baumgart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
zu Hirschberg Steinstraße 10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
am . . . . . . vierundzwanzigs ten Juni . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
des Jahres tausend neunhundert dreiundreißig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
vormittags um . . . . . . . ein Uhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
verstorben sei. Der anzeigende erklärt, von dem Sterbe=
falle aus eigener Wissenschaft unterrichtet zu sein.
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
Georg Kopbauer
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der Standesbeamte.
In Vertretung: Rockjey
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Übereinstimmung mit dem Haupregister beglaubigt
Hirschberg am 24. Juni 1933

Der Standesbeamte.
In Vertretung: Rockjey

 

Ich möchte kurz zusammenfassen: Richard Klepper wurde am 01.07.1874 in Breslau geboren und verstarb 24.06.1933 in Hirschberg (Jelenia Gora). Seine Frau Anselma, geb. Baumgart, wohnte zwischen 1921 und 1927 in Ruhland. 1933 verstirbt Richard in Hirschberg, wo auch seine Frau und seine Tochter Vera leben. Sein Sohn Hellmuth wird dort nicht genannt.

 

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