Die Durchführung der Bahnlinie der »Cottbus-Grossenhayner Eisenbahn« durch die Feldmark Arnsdorf (1867 bis 1871)
Im Juni des Jahres 1865 veröffentlicht das sog. Comité der Cottbus-Großenhayner Eisenbahngesllschaft eine Programmschrift über den Bau einer neuen Eisenbahnlinie von Cottbus nach Großenhain.
Dieses Programmschrift ist aus einer Tagung hervorgegangen, die am 4. April 1865 in Senftenberg stattgefunden hatte und auf der Vertreter der Städte Cottbus, Drebkau, Senftenberg, Ruhland, Ortrand und Großenhain dem Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen diesen Städten zugestimmt hatten. Auf dieser Versammlung wurde von den „[...] Versammelten das unterzeichnete Comité mit dem Auftrage gewählt, über die Ausführbarkeit des Projects weitere Untersuchungen anzustellen.” [Quelle, S. 3]
Das Comité hatte sich dann ein zweites Mal, nämlich am 15. Mai 1865, in Ruhland getroffen und dort alle Eckpunkte festgelegt, die eine - wir würden heute sagen: „Machbarkeitsstudie" - enthalten müsste. Folgende Eckpunkte wurden also festgelegt:
- Zweck und Bedeutung der projektierten Bahn im Allgemeinen
- die Bahnlinie
- Feststellung der „bei Ausführung des Projects unmittelbar interessirenden Städte, Dörfer, Dominien und Etablissements"
- Kosten der Bahnanlage
- Kosten des Betriebs
- Rentabilität
- Aufbringung der Geldmittel
- das zunächst einzuschlagende weitere Verfahren
Der folgende Plan zeigt die älteste Karte des projektierten Verlaufs der Bahnlinie zwischen dem heutigen Biehlener Binnengraben (Blattgrenze links) und dem (nicht mehr existierenden) Ruhlander Vorwerk mit der Büschgen-Schäferei (Blattgrenze rechts).
Dabei sind die damaligen Liegenschaften sowie die Stadtscheunen noch deutlich zu erkennen. Die Bahnlinie überquert von Cottbus her kommend ganz links die Schwarze Elster, macht vor der Brücke über den Biehlener Binnengraben eine leichte Rechtskurve, überquert dann die alte Guteborner Landstraße (heute Bernsdorfer Straße) und erreicht danach das heutige Bahnhofsgelände.
Ein Bahnhof ist hier noch nicht eingezeichnet, da die Karte nur den geplanten Streckenverlauf zeigt. Die älteste Karte des Bahnhofs (noch mit nur einem Gleis) finden Sie weiter unten.
Nachdem die Strecke den Bahnhof Ruhland in Richtung Ortrand verlassen hat, schneidet sie die alte Hermsdorfer Landstraße (heute Hermsdorfer Straße), scheidet dabei auch den Friedhof an seiner östlichsten Flanke, um dann die Arnsdorfer Landstraße zu überqueren.
Von dort führt die Strecke weiter bis an die alte Herschens-Mühle, wo sie (hier) den sog. „Schwarzbach” (heute das Ruhlander Schwarzwasser) überquert. Von der Herschens-Mühle aus schneidet die Strecke dann zwei größere namenlose Waldwege, wobei der erste Weg, der hier durch die Bahnlinie unterbrochen wurde, später genau unter der heutigen Bahnlinienkreuzung mit der Strecke nach Falkenberg zu liegen kam.
Im weiteren Verlauf gelagt die Strecke an die alte Waldstraße von Arnsdorf nach Bärhaus, die damals mit einem Bahnübergang versehen war, der mittlerweile durch einen Fahrrad-Übergang ersetzt wurde. Von dort sind es noch ca. 2000 Meter bis an die alte Büschgen Schäferei (Blattgrenze ganz rechts).
In der folgenden Karte wurde der Nivelliments-Plan entfernt, da er zu groß ist und lediglich das Niveau und die Meereshöhe der Strecke zeigt.
Klicken Sie auf die Karte, um eine Großansicht zu öffnen.
Es handelt sich hier um einen handkolorierten Kartensatz von Rosseck und Fischer aus dem Jahr 1868. Die Pläne der vorhergehenden Sectiones (Richtung Cottbus) befinden sich im Landesarchiv Sachsen-Anhalt (LASA). Die handkolorierten Pläne der nachfolgenden Sectiones (Richtung Ortrand) - zumindest die von Rosseck und Fischer - sind zurzeit nicht auffindbar.
Es existieren zwei Roh-Zeichnungen der nachfolgenden Karten, nämlich Sction VII, Blatt II (von der Büschgen Schäferei bis zu einem namenlosen Teich bei 51.411614995185005, 13.808462859157261, an der Grenze der Feldmark Arnsdorf zur Feldmark Kroppen) und Sction VIII, Blatt I, (von eben diesem Teich bis zum Bahnübergang bei Burkersdorf, heute alter Friedhof Burkersdorf). Das letzte Kartenblatt, Section VIII, Blatt III, (Bahnhof Ortrand), ist bisher auch nicht als Roh-Zeichnung auffindbar.
Für die letztgenannten drei Karten sind die handkolorierten Versionen von Rosseck und Fischer ebenfalls (bisher) nicht auffindbar. Da aber aus dieser Serie bereits die zwei zuvor genannten Roh-Zeichnungen gefunden wurden, besteht Hoffnung, dass die handkolorierten Ausführungen doch irgendwo vorhanden sind.
Der Bahnhof Ruhland
Der nachfolgende Plan zeigt den ältesten Entwurf für den Bahnhof Ruhland aus dem Jahr 1869. Auf diesem Entwurf befindet sich der Bahnhof noch an einer eingleisigen Strecke, die im Bahnhof durch ein lokales Nebengleis zu einer Ausweichstelle erweitert wurde. Daher verfügt dieser Bahnhof nur über einen Bahnsteig.
Ganz links sind die Grundstücke und die Stadtscheunen eingezeichnet, die dem Bau der Bahnlinie weichen mussten. Es gab ein Nebengleis für eine Packstation und eine Vieh-Rampe. Auf diesem ältesten Plan ist noch kein Abzweig nach Falkenberg zu sehen. Dieser Abzweig wird erst später hinzugefügt.
Ganz rechts sieht man noch einen alten Bahnübergang an der Hermsdorfer Straße. Dieser Bahnübergang wurde mit der Erweiterung des Bahnhofes um den Falkenberger Abzweig beseitigt. Damit war die alte Straße am Stadtfriedhof an dieser Stelle abgeschnitten. In der Karte sind auch die Verlegungen der Straßen und Scheunen eingezeichnet, die der Trassierung im Wege standen. Die Straße heißt heute noch Scheunenweg, da dort früher viele Stadtscheunen standen.