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Synopse der Chroniken

Im folgenden möchte ich versuchen, die bisher verfügbaren Chroniken in einer Synopse darzustellen. Dabei liegt ein wesentliches Ziel darin, Übereinstimmungen und Abhängigkeiten aufzuzeigen, die zugrunde liegenden Quellen aufzufinden und die Aussagen der einzelnen Chronisten zu kommentieren. Da eine Synopse mehrere Texte nebeneinander darstellt, ist es für eine gute Lesbarkeit empfehlenswert, das Fenster auf seine maximal mögliche Breite zu vergrößern.

Die älteste (zurzeit verfügbare) Chonik aus dem Jahr 1864 finden Sie auf der linken Seiten, die jüngste aus dem Jahr 1952 rechts. Ganz rechts befindet sich der Kommentar. Die Seite verwendet eine Glossar-Funktion. Sie erhalten daher weitere Hinweise zu Orts- oder Personennamen wenn sie den Mauscursor über die als Link markierten Wörter bewegen oder die zugehörige Detailseite aufrufen.

Im Kommentar bemühe ich mich, die in den Texten beschriebenen Sachverhalte in den historischen Kontext einzuordnen und weiterführende Quellen zu nennen. Leider lassen sich nicht alle Schilderungen mit historischen Ereignissen in Verbindung bringen. Besonders bei sehr weit zurückliegeneden Ereignissen kann es sich auch um Legenden handeln.

Die Synopse ist noch nicht vollständig und befindet sich gerade im Aufbau.

 

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

 

 

 

 

 

Vorwort

Einleitung

Dahlmann, Klepper und Schiemanz geben ihren Texten ein Vorwort, wobei Dahlmann ohne eine Überschrift beginnt, Klepper den Absatz mit »Vorwort« und Schiemanz ihn mit »Einleitung« betitelt.

 

 

 

Pietät gegen dich, mein Vaterland, und dich, o Muttererde, liebendes Interesse an deinem Leben und deinem Schicksal, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat für deine Kinder. Vaterland und Muttererde! Aus dir ist unser Leib zuerst gebildet, das Stücklein Erde, das wir an uns tragen, aus deinen Staub, der das Blut und den Schweiß unserer Ahnen trank, der ihre Freuden und ihr Herzleid sah, und in dem sie entgegenschummern dem großen Tage. Und unsere Seele bildet geschäftig ihre Art und Farbe aus dem Material deiner Stimmung, deines Charakters und deines Geschickes. Wie das Wurzelgefecht des Waldes, so liegen unserer Gegenwart und unseres gemeinsamen Lebens saugende Wurzeln gebettet in der Geschichte deiner Vergangenheit.

Und du, einfach=schlichtes, deutsches Elternland, schwarz ruhen die Kohlen in deinem Schoß, die Schätze der Wärme, weiß der blendend reine Sand, aus dem des Glases Kristall ersteht, und rot das Eisengestein, das sich gestaltet in deiner Hammerwerke Glut. Grün ist deines Kleides dunkle Farbe, und goldig tief deiner Wasser träumendes Auge, wenn der Sonnenball hinter deines Kleides Säumen sinkt. Mögen andere eine vornehmere Mutter haben, — wie solltest du deinen Kindern nicht wert sein in deiner schlichten Art und in deinem Leben voll Mühsal und Not! Lieben sollen sie dich und nimmer dein vergessen!

Mögen die Fremden deiner nicht achten, du armes Städtlein, und deiner Flur; sie kennen dich nicht und was du erlebt und getragen hast. Wir aber ehren dich, wie man ein schweres Schicksal ehrt, und harren des Segens der Ahnen.

Als ich von der Regierung am 1. April 1921 als kommissarischer Bürgermeiſter hierher geschickt wurde, vermißte ich im im Laufe der Amtsgeschäfte das Vorhandensein einer Chronik der Stadt.

Da inzwischen auch sonst von verschiedenen Seiten der Wunsch nach einer solchen laut geworden ist, so habe ich es im Nachstehenden versucht, eine Chronik der Stadt Ruhland zusammenzustellen. Wie beim Lesen derselben bekannt werden wird, ist Ruhland mehrfach fast völlig abgebrannt; bei diesen Bränden sind auch die vorhandenen Aufzeihnungen aus der Geschichte der Stadt mitverbrannt.

Aus den wenigen vorhandenen Ueberlieferungen habe ich nun eine Zusammenstellung gemacht, die mangels urkundlicher Unterlagen an manchen Stellen keinen Anspruch auf geschichtliche Genauigkeit machen kann. Mit dem Jahre 1864 hörte das vorhandene Material gänzlich auf. Von 1875 ab habe ich die Aufzeichnungen unserer Lokalzeitung, der „Elster-Chronik“, entnommen.

Trotz der mit der Zusammenstellung dieser Chronik verbunden gewesenen Schwierigkeiten und - wie schon vorher erwähnt - vielleicht einiger geschichtlicher Ungenauigkeiten, hoffe im dennoch hiermit der Einwohnerschaft nunmehr eine zusammenhängende Chronik unserer Stadt geben zu können. Als Abschluß der geschichtlichen Aufzeihnungen habe ich den Ausbruch des Weltkrieges gewählt.

Wenn es mir nun mit diesem Büchlein gelungen sein sollte, der Ruhländer Bürgerschaft ein anschauliches Bild der Vergangenheit unserer Stadt vor Augen führen zu können, so ist sein Zweck damit erfüllt.

Die Chronik von Arnsdorf ist aus einem alten Schriftstück eines Herrn Schmiege entstanden, welches 1912 im Kirchturm zu Ruhland gefunden wurde. Außer diesem alten Dokument leitete mich noch das im Jahre 1925 von Herrn Schulrat Scholz herausgegebene Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Da unser Dorf Arnsdorf, wie fast alle Dörfer des westlichen Teiles des Kreises Hoyerswerda, aus dem Bereich der früheren Herrschaft Ruhland hervorgegangen ist, so konnte seine Entstehung nur in Verbindung mit der Geschichte dieser Herrschaft niedergeschrieben werden. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Chronik, denn ich habe nur die Volksschule besucht. Möge meine Niederschrift allen Arnsdorfern und unsren späteren Generationen, einen Einblick über die Entstehung und Entwicklung unseres Heimatortes geben, möge sie aber auch allen Lesern die Sorgen und sozialen Nöte unserer Vorfahren veranschaulichen. Wenn dies geschieht, dann ist der Zweck meiner Arbeit erfüllt.

Dahlmann war als Pfarrer in Ruhland tätig. Sein Stil unterscheidet sich von dem der anderen Chronisten völlig. Liest man sein Vorwort, so wirkt es wie eine Predigt, stilistisch hochsprachlich ausgefeilt, fast poetisch, bisweilen sogar etwas "schwülstig". Annerose Schneider hat in Ihrem Aufsatz (Schneider, 1967, S.377) beide Texte wie folgt charakterisiert: "Aus unserem Jahrhundert gibt es zwei Ruhlander Stadtchroniken. Sie schöpfen aus verschiedenen Quellen und stehen als Geschichtswerke für fast extreme Richtungen: Die eine stellt die Nachrichten unverbunden nebeneinander [Klepper]), die andere deutet und kommentiert viel und fast poetisch [Dahlmann]), ihr Leitmotiv ist Heimatliebe, die sich an Armut und Mangel an Bedeutung geradezu erst entzündet."

Klepper und Schiemanz schreiben im Vergleich zu Dahlmann sachlicher und schildern die Umstände, unter denen ihre Chronik entstanden ist.

Schiemanz beginnt seine Chronik, indem er seine Quellen nennt. Er nennt jedoch bisher als einziger Autor die Handschrift eines Herrn Schmiege[l], die 1912 im Kirchtum in Ruhland gefunden worden sein soll. Diese Handschrift hat ihm scheinbar im Original oder als Abschrift vorgelegen. Die Existenz der Handschrift ist bisher nicht belegt. Sie ist nicht (mehr) auffindbar.
Als zweite Quelle nennt Schiemanz das von Herrn Schulrat Scholz im Jahr 1925 herausgegebene »Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda«. Diese Quelle ist als Digitalisat verfügbar.

 

 

 

 

 

Ruhland, im Frühjahr 1922.

Klepper,
kommissarischer Bürgermeister.

Arnsdorf, den 1. Januar 1952.

Hermann Schiemanz,
Schuhmachermeister Arnsdorf,
Am Turnplatz Nr. 94

Nur Klepper und Schiemenz setzen unter Ihr Vorwort eine »Subscriptio«, also ein Datum nebst Unterschrift.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Die Altersgeschichte (kurz gefasst)

Steinzeit. Broncezeit Eisenzeit!

Dahlmann, Klepper und Schiemanz formulieren nun eine Überleitung vom Vorwort zum historischen Teil ihrer Schrift. Strassner und Kerstan tun das in dieser Form nicht.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Die ältesten Zeichen menschlicher Niederlassung auf dem Boden Ruhlands hat man im Frühjahr 1902 aufgefunden. Beim Graben nach Rasenroteisenstein legte man auf dem Kirchwege nach Arnsdorf in der Nähe des Schwarzwassers einen vorhistorischen germanischen Begräbnisplatz bloß. Die dort gefundenen, schön geformten Urnen, z.T. sogen. Buckelurnen, die einer modernen Töpferei alle Ehre machen würden, gehören dem sogen. „älteren oberlausitzer Typus“ an.

Dunkel ist die Vorgeschichte der Lausitz, somit auch die unseres Städtchens Ruhland. Es wird überliefert, daß in grauer Vorzeit die Semnonen, ein Volksſtamm der Sueven, die Bewohner der Lausitz gewesen seien, einer damals noch mit dichten Wäldern und Sümpfen bedeckten Gegend.

Das ist die Reihenfolge des weltlichen Zeitlaufes vom Urmenschen, dem Höhlenbewohner bis zum modernen Gelehrten des 20. Jahrhunderts.

Hier wären Quellen zu suchen und zwar:

Dem »Frühjahr 1902« konnte bisher keine Quelle zugeordnet werden. Meiner Kenntnis nach in Görlitz verschollen

 

 

Straßner (1864)

Kerstan (1903)

Sie sind vor ca. 2500 Jahren von deutschen Stämmen in der Oberlausitz für die Asche ihrer Toten gebraucht worden. Jede große Ascheurne in der Mitte war rings umgeben von kleinen leeren Töpfchen und Schälchen. Die ganze Grabanlage gewährt einen Einblick in das Gemüts- und Glaubensleben jener deutschen Ursassen im Elstertal. Am leise murmelnden Bach, wo sie den Haken und das Netz einst warfen, wurde der Toten Asche geborgen in der Mutter Erde Schoß.

 

 

Die Steinzeit ging 2500 Jahre vor Christi zu Ende. Es folgte die Broncezeit, welche bis Christi Geburt, vielleicht aber auch noch 500 Jahre nach Christi andauerte.

Die Broncezeit wurde allmählich von der Eisenzeit abgelöst, die heut noch besteht.

Menschliches Leben ist in unserer Lausitz durch zahlreiche Gräberfunde bis in die Zeit 2500 Jahre vor Christi nachgewiesen worden.

Etwa 1500 Jahre vor Christi wanderte bei uns ein Volksstamm ein, welcher kurzweg „Die Lausitzer“ genannt wurde. Deshalb entstand wohl in unserer Gegend der Name Lausitz.

Zur Zeit um Christi Geburt sind diese Lausitzer wieder ausgewandert.

Dahlmann und Schiemanz beginnen ihre Chronologie bei 2500 v.Chr.

Straßner (1864)

Kerstan (1903)

„Im Waldesrand, daß über den Entschlafenen
Waldvöglein ihre süßen Lieder singen
Und Bäume rauschen; nicht im Tode soll,
Was lieb dem Lebenden einst war, ihm fehlen.
Die arme Seele aber flattert
Und irrt wohl lange noch um ihren Leib.
Soll sie mit eins von allem, das ihr lieb,
Sich trennen? Nein, was früher stets ste brauchte,
Sie kann’s mit einem Mal wohl nicht entbehren;
Vielleicht, daß sie es später lernt. Drum geben
Sie allerlei dem Toten mit, was lieb und wert
Ihm war, sein Kleid und manchen Zierat.
- In diesem Krüglein ist ein Schlückchen Met,
In jenem Töpfchen etwas Gerstenbrei.“

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Dahlmann zitiert hier ein Gedicht, dass sich möglicherweise auf eine Urnen-Begräbnisstädte bezieht? Ob es von ihm selbst verfasst wurde oder aus einer anderen Quelle stammt, das teilt er uns leider nicht mit.

Ursprung und Anfang der Stadt

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Straßner beginnt mit einer Ortsbeschreibung und gibt ihr eine Überschrift.

Ruhland eines der ältesten Ortschaften dieser Gegend, unter den 52. Grad der nördlichen Breite und den 31. Grad der östlichen Länge, in der Königlichen Preußischen Oberlaußitz, der Provinz Schleßien, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Hoyerswerda, an der Schwarzen Elster, und den Schwarzwasser.

[Kerstan führt ebenfalls eine Ortsangabe, jedoch erst nach den Quellen, siehe weiter unten.]

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Während Strassner keine lange Vorrede bietet, so nennt er doch als einziger Chronist genaue geographische Angaben. Und obwohl es sich hier um die (momentan) älteste Chronik handelt, macht er sogar Angaben zur Ortslage mithilfe von Geokoordinaten. Keiner der anderen Chronisten nennt Koordinaten.

Danach nennt er die administrative Zuordnung der Stadt im Königreich Preußen.

Strassner (1864)

Motto: Ich möchte Schreiben, was da ewig bleibt!
das, was ich hier schreibe, ist nur ein Zeitvertreib

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Strassner, Dahlmann und Klepper nennen kein Motto. Das Motto wirkt hier etwas widersprüchlich. Gerade weil Kerstan eine Chronik schreibt, die uns glücklicherweise überliefert ist, darf man annehmen, dass er die Absicht hatte, so zu schreiben, daß etwas ewig bleibt. Hier nennt er seine eigene Arbeit jedoch nur einen Zeitvertreib.

Strassner (1864)

Abschrift

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Strassner und Kerstan führen hier einen Abschnitt, in dem sie ihre Quellen benennen. Strassner berichtet, wie auch bereits Klepper weiter oben, dass viele Quellen verlorengegangen sind. Auch Schiemanz nennt Quellen, jedoch nicht hier, sondern ganz am Anfang seiner Chronik [siehe weiter oben].

Eigentliche Urkunden über den Ursprung der Stadt und dessen Namen sind nicht mehr vorhanden, indessen wird von Dr. Franz Penterus, Carpzow und Grosser und andere welche die Lausitzen beschrieben haben, dazu folgendes erwähnt:

Der Titel lautet wie folgt:

Dr. Franziis Beschreibung von Ruhland Anno 1547

item Bürgermeister George Köhlers Nachrichten Anno 1626

item Johann Gotthelf Friedrich Anno 1775 - 81

gewesener Gutspachter allhier

item Gotthold Kerstan 1903

 

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Strassner gibt an, dass über den Ursprung der Stadt keine Urkunden mehr vorhanden sind und nennt drei Autoren für seine Quellen.

»Dr. Franz Penterus« konnte ich trotz intensiver Recherche bisher leider nicht finden.

Die Nennung des bloßen Familiennamens »Carpzow« ist schweirig. Sie könnte sich auf Johann Benedict Carpzow (*1675 ~ †1739), einen Bürgermeister von Zittau, beziehen. Die Linie Carzow hat aber sehr viele Nachkommen und darunter auch viele gelehrte Männer und einflussreiche Frauen hervorgebracht, so dass hier nicht mit absoluter Sicherheit entschieden werden kann, dass es sich um Johann Bededict Carpzow handelt. Benedict Carpzow hat jedoch im Jahr 1719 eine Art Chronik der Niederlausitz geschrieben. Der Titel lautet: Neueröffneter Ehren-Tempel Merckwürdiger Antiquitaeten des Marggraffthums Ober-Lausitz : Jn welchen Allerhand bisher unbekandte, oder von andern Autoribus nicht gründlich untersucht Historische Nachrichten ... getreulich angezeiget ... worden ; Alles Aus beglaubten Uhrkunden und Documentis publicis mühsam zusammen gebracht ... in zweyen Theilen ... abgehandelt, mit nützlichen Marginalien ... ans Licht gestellt.

Mit Grosser ist wahrscheinlich Samuel Grosser (*18. Februar 1664 ~ †24. Juni 1736) gemeint. Wahrscheinlich bezieht sich Strassner hier auf eine Monographie von Grosser aus dem Jahr 1714 mit dem Titel: Lausitzische Merckwürdigkeiten Darinnen Von Beyden Marggraffthümern in fünff unterschiedenen Theilen Von den Wichtigsten Geschichten, Religions- und Kirchen-Begebenheiten, Regiments-Verfassung, Beschaffenheit der Schulen und Literatur, Landes-Art und Fruchtbarkeit, Wie auch Gewerben, Hanthierungen und Commercien, zulängliche Nachrichten gegeben.

Da Strassner seine Quellen nicht genau benennt, sind die hier angegebenen Verweise nicht gesichert.

Kerstan nennt ebenfalls drei Autoren, jedoch drei andere als Strassner. Zuerst einen Herren »Dr. Franz«, der um das Jahr 1547 eine Chronik verfasst haben soll, danach einen Bürgermeister mit Namen »Köhler«, dessen Nachrichten aus dem Jahr 1626 stammen und schließlich einen »Johann Gotthelf Friedrich«, dessen Schrift hier auf das Jahr 1775 datiert wird.

Da Kerstan seine Chronik 1903 veröffentlicht hat, muss es sich hier jedoch um Quellen handeln, die ihm 1903 noch vorgelegen haben. Zurzeit (2026) ist sie jedoch nicht (mehr) auffindbar.

„790 nach Christi Geburt, habe es Graf Rolando von Blaye Kayser Caroli Magni Vetter bei seinen wieder die Sorben vorgenommenen Feldzuge aus einer Fischer=Colonie erbaut, und dem Orte seinen Namen Rolando beigelegt."

Andere Scribenten denen auch Urkunden der Bürgermeister Röbler, des Acciseinnehmer Bürger etc. Schlisch beipflichten, bekunden, daß es aber schon vor Zeiten auch mit dem Namen „Ruhland“ belegt worden, und jezo eben noch also genannt und geschrieben wird, solches will man in Ermangelung der alten verbrannten Urkunden, jedoch aus Erzählung der Vorfahren, daher leiten, dass in denen alten Kriegen unter andern auch ein großer Kayser nach erhaltener siegreichen Schlacht an den Schwarzwasser dieses den Sieggraben benannt; und sich anhero gezogen, dero Hoflager allda gehalten, und der Ruhe gepfleget haben soll.

Nach dem ihnen nun die damahligen Einwohner möglichst, insonderheit 9 Knaben mit weißen Hemden ins Kaiserliche Lager entsandt, mit Darbringung in 9 Schüsseln mit neunerlei Gerichte Fische aufgewartet, also hätten selbige sich’s gnädigst gefallen lassen, den Ort aber Ruhland genannt, solchen mit herrlichen Freiheiten, insonderheit auch den schönen Stadt-Wappen eines gedoppelten Adlers begnadigt.

Noch ein anderer Scribent meldet, daß Kayser Caroli Magni ältester Sohn Carolus senior das Städtlein bei seinen gleichfalls wieder die Slawen vorgenommenen Feldzuge, auf befehl seines Herrn Vaters erweitert, befestigt, mit 3 Thore und 2 Wallgraben umgeben, und mit unterschiedenen Immunitäten begabt habe.

Diesen Vorgaben scheint auch das Zeugnis der Vorfahren beizupflichten, welche glaubwürdig versichern, daß ohnweit von den Städtchen eine solche Rolands-Statue (noch andere an der Marktecke) gestanden; ja an der Elster und wenn dieselbe klein, erblickte man bei Sonnenschein annoch große Eichene Pfosten, worauf sonder Zweifel ein Bollwerk gestanden, und damit die Vermuthung gegeben wird, daß das jetzt gar enge Städtlein, ehemals von einer weit größeren Etendue gewesen sein müsse.

Es hat also dieser Ort von selbiger Zeit an denen Nachkommen Wittikindi Magni, dem er von Kayser Carolo Magno verliehen worden, beständig zugehört. Und obgleich die Fränkischen Kayser, sonderlich aber Henricus IV. die Oberlausitz denenselben guten Theils aus den Händen spielte, so blieb sie dennoch in des Ruhländischen Districts gerüchigen Besitzung, bis er Anno 1211 mit der Margräfin Mechthild, Margrafens Conradi II. in Meißen und Oberlausitz Tochter, an Churfürst Albertum II. zu Brandenburg an einer Mitgifft gediehe.

Seit derselben Zeit gehörte der Ort samt dem zugehörigen Kreiße dem Churhause Brandenburg, bis er nach Churfürst Waldemars Tode nebst denen andern oberlausitzischen Landespfleggen an die Krone Böhmens fiel. In folgenden Zeiten ist das Städtchen unter eigene Hände gekommen. Anno 1363 verkaufte der geldgierige Kayser Carolus der IV. das Städtchen Ruhland an einen Herrn von Eilenberg auf Guteborn. Im Jahre 1400 haben zwei Gebrüder derer Hentze als Herrschafft das Städtchen lange besessen und ihren Sitz auf der Burg Kaupe gehabt. Nach dieser Zeit im Jahre 1548 war Ludwig von Rosenhagen eine Zeit Besitzer der Stadt Ruhland; Dann haben die von Gersdorf das Städtchen lange gehabt, welchen die Einwohner, weil sie zum Theil durch Brand, zum Theil durch Unvorsichtigkeit, um alle ihre Privilegien und Freiheiten gekommen, viele Dienste thun und Oneribus zahlen müssen. Von da an ist es an die Freiherrliche Gräfliche Hoymische Familie gekommen, und als der Mannesstamm der Grafen von Hoym im Jahre 1783 völlig ausgestorben kam es durchs Erbtheil an die Tochter des verstorbenen Grafen Gotthelf Adolph von Hoym Namens Louise Henriette Gemahlin Ihrer Durchlaucht des Fürsten Reuß Eberdorf, geborene Gräfin von Hoym auf Droysig; und nach deren Todte im Jahre 1830 an dero Tochter der Prinzeß Karoline Auguste Louise Reuß, Lobenstein, Ebersdorf. Und als diese am 27. November 1857 in Dresden verstarb an dero Schwester Gemahlin des regierenden Fürsten Heinrich des LXII. Auf Reuß- Schleiz, Ebersdorf, Namens Sophie Adelheit Henriette geborene Prinzeß von Reuß- Lobenstein, Ebersdorf.

Die Stadt liegt in einer sandigen und morastigen Ebene der Schwarzen Elster, deshalb hat der Herr Oberpfarrer Liebusch zu Senftenberg in seiner Szkyklika gesagt, der Name Ruhland sei aus den wendischen Worte Run-lan-ad entstanden, was eine in einer von Flüßen und Sümpfen bedeckten Ebene (run) gelegene größere Stadt bedeute.

Auf 2 Seiten des Städtleins befinden sich 2 Creuzsteine auf denen ein ausgehauen Schwert zu sehen, welche ehemals zum Zeichen gesetzt worden, daß der Ort mit Ober- und Untergericht belieben.

Eine halbe Stunde vor der Stadt, auf dem Wege nach Ortrand ist eine alte Schanze, und der sogenannte Sieggraben, bei welchen vor Zeiten eine Schlacht vorgegangen, und nachdem der Kayser dabei den Sieg erhalten, dieser Graben der Sieggraben genannt und auch bis dato also geheißen worden. Darauf soll aber hiesiges Städtchen zum Kayserlichen Hoflager gedient, und die Kayserliche Begnadigung wie Anfangs erwähnt erhalten haben. Die alten Kayserl. Privilegien wegen der Vieh- und Jahrmärkte, des Wochenmarktes und des Pflastergeleides haben sich jederzeit bei der Stadtlade in Originali befunden. Und deren Hauptinhalt, in wesentlichen folgender ist.

Das Städtchen hat vier privilegierte ordentliche Vieh und Jahrmärkte, Der 1 ste Mittwochs nach Oculi, Mittfasten, wo Vieh und Krahmer Markt zugleich. der 2 te Montag auf Trinitatis, der 3 te Montag vor Bartholomai , der 4 te Montags nach Simon Juda von welchen letzteren dreien Sonnabends zuvor alle Zeit ordentlicher Viehmarkt, welche Vieh- und Pferdemarkte 8 Tage lang zu halten, das Städtchen berechtiget, und mit einen Wochen=Markte welcher Mittwochs gehalten wird, versehen ist. Hat das Städtchen einen Pflaster- oder Wege- Zoll, wegen Haltung und Bau des Pflasters, nebst darinnen befindlicher Brücken und Dämme, soweit es die Stadt betrifft, einzunehmen, und wobei, von einen Wagen 6 Pfennige, von einzelnen Pferden oder Rindvieh aber, vom Stück 2 Pfennige entrichtet wird. Ueber dieses Wegegeld, und über die 3 letztem Jahr=Märkte und den Wochenmarkt, ist der Ort von Ladislaw, König in Böhmen, an. 1511 und Ferdinando Kayserliche Majestät 1562 ingleichen von Maximilano II. Kays. Majestät an. 1567 auch von Kayser Rudolpho II ao. 1596 privilegieret, und endlich diese Privilegin von Churfürst Johann George II. überhaupt confirmiret worden.

Es geht nur eine Straße über die Elster, wo die Guthsherrschaft wegen der die Elster zuhaltenden 14 Brücken, und davon der Knittel=Damm 900 Ellen lang zu halten ist.

Die Kirchengeschichte fängt sich schon im achten Jahrhundert an, und ist die Parochialkirche ehedem eine Probstey gewesen, zu welcher nicht allein viele Dörfer, sondern auch 4 Filialkirchen, als: Hohenbocka, Hermsdorf, Kroppen, und Lindenau, gehören, die zwar ihre eigene Priester haben, jedoch die Ortschaften bis dato noch der Oberpfarre an der Parochialkirche zu Ruhland, seinen Decem bekömmt.

Die Stadt hat durch die vielen hier stattfindenden Brände, sie ist in 226 Jahren dreizehnmahl abgebrannt, wobei die Kirche fünfmal mit abbrannte, was Theils der mißerabeln Hölzern alten Bauart, und der Unachtsamkeit der Bewohner zuzuschreiben ist, und ist bei vielen und öfteren Bränden all die herrlichen alten Privilegien und Gerechtsamen der Stadt verloren gegangen, und daher viele Leute von hier weg gezogen, und nur arme dürftige Einwohner hier verblieben, die sich der Guthsherrschaft unterwarfen, aber auch von derselben manche Vergünstig erhalten.

Im übrigen hats hier öftere viele streitige. Köpfe gegeben, die aber selten was Rechtens ausgerichtet haben. In den frühen Zeiten wo es hier sehr große Wälder, namentlich die Pommelheide auf der nördlichen Seite der Stadt, die mit ihrer Waldung das ganze Elsterthal bedeckt, hat es aus den sumpfigen morastigen Boden aufsteigenden Dünsten viele garstige ungesunde Nebel gegeben, die viele Fieber und somit ansteckende Krankheit erzeugten, den der Boden und die Moräste trockneten nie aus, was viele Dünste und dicke Luft erzeugte, und im Sommer haben über diesen Wäldern die Gewitter oft mehrere Tage unzertrennlich gestanden. Aber auch der hohen und niedem Jagd Wildpret von allen Gattungen boten; dagegen die Ströme der Elster alle Arten Fische lieferten, und in Menge boten, so hatte sich eine Fischer-Compagnie hier gebildet, die sogar ihren eigen Fisch-Richter hatte, und einen ansehnlichen Handel mit Fischen und Krebsen nach Dresden, Bautzen pp. betrieb.

Uebrigens existieren viele Sagen über die hiesige Gegend, in Beziehung auf die frühere Geschichte, so z.B. soll das ebenfalls auf der rechten Seite der Elster belegene Dorf „Zschornegosta“ seinen Namen von Cyrny Bog (der schwarze oder böse Gott) einen wendischen Götzen welcher auf einen nicht weit von Dorfe im Walde gelegenen Berge verehrt worden, und da die heidnischen Priester in genannten Orte gewohnt, seinen Namen „Schwarze Gasse“ erhalten haben.

 

 

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Strassner bietet hier - noch vor seiner Chronologie - eine komplette Zusammenfassung derselben. Erst weiter unten ordnet er dann die Ereignisse den einzelnen Jahreszahlen noch ein weiteres Mal zu.

Zum Motiv des Rolando von Blaye siehe weiter unten unter dem Jahr 790.

Strassner (1864)

Ruhland

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

ist ein offener Flecken, liegt an der schwarzen Elster, drey Meilen von Carmenz. Soll den Namen haben von Caroli Magnie Schwester Sohn, welcher ein vortefflicher Kriegsheld und dem Kaiser sehr lieb gewesen, der wegen ihm in etllichen Städten zu Ehren und zum Gedächtniss ein groß Bild hat bauen lassen und Anno 790 aufrichten, und dieselben Städte mit sonderlichen Privilegien begnadigt. Mann sagt, dass vor Zeiten in diesem Orte auch ein Roland gestanden sey, deswegen kein Zweifel dass Caroli Magni Kriegsvolk allda sey gelegen, und in dieser Gegend einen überaus goßen Sieg über die Heydnischen Wenden erfochten, und sich darauf mit seinem Kriegsvolk hier festgesetzet und das Sädtlein zu seinem Ruheplatz

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

 

 

»drey Meilen von Camenz« bezieht sich leider nicht auf die vor-preussische Landesmeile mit einer Länge von 7532,5 m. Daraus würde sich nämlich eine Entfernung von ca. 22,5 km ergeben. Das entspricht aber nicht ganz den Tatsachen, denn von Ruhland nach Kamenz sind es heute ca. 32 km. Daher ist anzunahmen, dass hier eine Meile der Länge um 10.000 m gemeint ist. Als nächstliegender Kandidat käme die westfälische Landesmeile mit 10.670 m in Frage.

Zum Motiv des Rolando von Blaye siehe weiter unten unter dem Jahr 790. Dass bereits im Jahr 790 eine Rolands-Statue von Rolando von Blaye in Ruhland errichtet worden sein soll, ist überaus unwahscrheinlich, da die Tradition der Rolands-Statuen erst im 14. Jh. entstand.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

375

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Zur Zeit der Völkerwanderung, um das Jahr 375, wurden die Semnonen von den Vandalen aus ihren Wohnsitzen vertrieben. In die Lausitz wanderten nun um das 5. Jahrhundert die Sorbenwenden ein, deren Abkömmlinge noch heute hier leben und den Boden bebauen, welchen ihre Urahnen vor anderthalbtausend Jahren urbar machten. Nach ihrer Einwanderung fingen sie an, die fruchtbaren Gegenden besonders an den Flüssen zu bebauen, verwandelten die vorgefundenen Erdhütten der Vorbewohner in wohnliche Häuser und legten so nach und nach Städte und Dörfer an, denen sie zum Teil die Namen ihrer verlassenen früheren Wohnsitze beilegten, teils dieselben nach der Beschaffenheit der Gegend und des Landes benannten. Die Sümpfe trockneten sie aus, lichteten die Wälder und schufen somit Acker- und Weideland. So lebten die Wenden in Frieden, mit der Urbarmachung ihres Landes beschäftigt, bis zum Jahre 631.

Ganz Europa durchwogte im 4. Jahrhundert ein gewaltiger Völkerstrom.

In unsere Lausitz kamen die Germanen.

Es sollen Burgunderstämme gewesen sein.

Da aber die Lausitz damals größtenteils aus Urwald und Sumpf bestand, wanderten viele Germanen wieder weg nach Westen.

Um das Jahr 800 nach Christi rückten dann slawische Völker vom Osten her in die Lausitz ein. Dadurch entstand ein Völkergemisch von Germanen und Slawen. Diese Slawen waren die Vorfahren der heutigen Wenden.

Mehrere Jahrhunderte lebten sie mit den Germanen im Kriegszustand.

Auch die freien Bürger in den Städten bekämpften sich mit den Landjunkern.

Es war für unsere Lausitz eine Zeit der schrecklichsten Verwilderung als Kaiser Karl IV., welcher zugleich auch König von Böhmen war, im Jahre 1346 zur Regierung kam.

Er regierte bis 1378.

Klepper beginnt als einziger Chronist mit der Jahreszahl 375.

Schiemanz: Karl IV. kämpfte im 14. Jh. nicht in einer einheitlichen Schlacht gegen die Wenden, sondern er versicherte sich des Beistandes lokaler Fürsten bei der Eroberung der Lausitz (vgl. Die Herzöge von Sachsen, der Herzog von Meklenburg, die Grafen von Anhalt und Mühlingen verpflichten sich, König Karl IV zur Eroberung der Lausitz Hilfe zu leisten in: Otto von Heinemann (1881). Codex diplomaticus Anhaltinus. Fünfter Theil. 1380-1400.).

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

631

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Da brachen die Franken in das Gebiet der Meißener Sorbenwenden ein, und nun begann ein langer Kampf um ihre Unabhängigkeit. Sie verbündeten sich mit den Lusitzern und zogen den Franken entgegen, die sie in einer blutigen Schlacht bei der Feste Voigtsburg (bei Oelsnitz) besiegten.

Schiemanz (1952)

Der Text ist hier mehrdeutig formuliert, da sich der anschließende Relativsatz auf das Subjekt und das Objekt des ersten Halbsatzes beziehen kann. Die Franken brachen in das Gebiet der Sorbenwenden ein und nun begann ein langer Kampf um ihre Unabhängigkeit. Wessen? Wohl kaum die der Franken, da sie den Sorbenwenden überlegen waren. Hier meint Klepper also, dass die Sorbenwenden um ihre Unabhängigkeit kämpften. Die Sorbenwenden verbündeten sich dann mit den Lausitzern und zogen den Franken entgegen.

Zudem muss der Begriff der »Sorbenwenden« heute kritischer betrachtet werden. In der neueren Forschung findet er kaum noch in Verwendung, da er zu allgemein gefasst ist. Die heutige Forschung verwendet den Begriff „Sorben“ meist als einen bevorzugten wissenschaftlichen Oberbegriff für die Lausitzer westslawische Minderheit und ihre beiden Standardsprachen, Ober- und Niedersorbisch. Unterhalb dieses Sammelbegriffes subummiert die moderne Forschung besonders für historische Beschreibungen vielfältige einzelne Stämme mit einem sehr differenzierten Siedlungsgebiet zwischen Elbe und Oder - teilweise sogar noch weiter östlich.

Einen sehr guten Überblick über die vielen Stammesbezeichnungen (wie Lusici, Burgunden, Awaren, Semnonen uvm.) und Siedlungsgebiete im Kontext der Archäologie bietet: Museum der Westlausitz. (Hrsg.). (2014). Vandalen, Burgunden & Co.: Germanen in der Lausitz: Begleitband zur Sonderausstellung vom 29. November 2014 bis 25. Oktober 2015. Museum der Westlausitz.

Eine blutige Schlacht am Voigtsberg bei Oelsnitz ist bisher leider nicht nachweisbar. Zwar existiert heute noch ein Schloss auf dem Voigtsberg. Dessen Entstehung kann jedoch frühestens auf das 12. Jh. datiert werden. Weiter zurück reichende Quellen für Oelsnitz sind leider nicht überliefert. Eine slawische Besiedlung kann jedoch angenommen werden. Welche Quelle Klepper hier verwendet hat, ist bisher leider ungewiss.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

633

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

633 erhoben sie die Waffen gegen die Thüringer und erkauften sich nach heftigen Kämpfen den ruhigen Besitz ihrer Ländereien bis 774.

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

744

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Um diese Zeit wurden sie in die Kriege verwickelt, welche die Sachsen unter Wittekind bis 805 mit Karl dem Großen führten. Dadurch aber zogen sich die Wenden den Zorn Kaiser Karls zu, denn als 783 die Sachsen vollständig geschlagen waren, erhielt dessen Sohn Ludwig der Fromme den Befehl, in das Land der Wenden einzufallen.

Dieser drang im Jahre 805 bis in unsere Gegend vor und schlug die Wenden bei dem damals schon befestigten Budissin. Hierauf wurde Wittekind von Karl dem Großen zum Herzog der Sorbenwenden ernannt.

Schiemanz (1952)

Klepper meint hier, dass Ludwig der Fromme den Sorbenfeldzug von 806 angeführt hat. Das ist aber nicht richtig. Zwar war Ludwig der Fromme ebenfalls ein Sohn Karls des Großen. Die Erbfolge legte aber eine strenge Reihenfolge der Söhne fest. So werden in den Quellen meist Karl der Große als Carolus magnus, sein ältester legitimer (er hatte noch einen älteren illegitimen) Sohn als Carolus filius eius und Ludwig der Fromme als Ludovicus genannt. Daher hat gemäß o.g. Quelle (Karlum filium suum) Karl der Jüngere den Sorbenfeldzug angeführt.

Klepper: Über eine Schlacht bei Budissin (Bautzen) sind bisher keine Quellen bekannt. [Quellen recherchieren]

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

In diese Zeit nun fällt nach Mitteilung verschiedener Chronisten die Gründung der Stadt Ruhland.

In seine Regierungszeit [1378] fällt das Werden von Arnsdorf.

Die von Klepper hier genannten Chronisten gilt es noch zu finden.

Historische Nachrichten oder Denkwürdigkeiten die den Ort und Umgegend seit der Begründung betroffen haben

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 790 nach Christi Geburt

Anno 790

Dahlmann (1905)

790

Schiemanz (1952)

Die erste Jahreszahl, die alle Chronisten gemeinsam nennen, ist das Jahr 790. Daraus kann man schließen, dass sie eine Quelle verwendet haben, die ebenfalls mit diesem Datum beginnt. Welche Quelle das ist, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.

wurde Die Stadt Ruhland, von den Grafen Rolandi von Bloye, Kayser Karl des Großen Schwester Sohn aus einer Fischercolonie die den [Namen] Langfischersdorf geführt haben soll, und wovon der Name der heutigen Fischergasse noch abstammen soll beründet, und angelegt, wie Eingangs erwähnt.

erbauen lassen. Die Gründung Ruhlands soll nach aller Sage, allda in die Rückeroberung des ostelbischen Deutschlands in den Kriegen gegen die Wenden fallen. Wie mann dennech heutigen Tages in der Elster, wenn das Wasser klein ist, große Eichenpfosten, darauf sondergleich und ohne Zweifel ein Bollwerk gestanden siehet, und weil es ein Pass dadurch nicht leicht zu kommen ist, sich allda verschanzet, und wird dieser Flecken billig für den ältesten in dieser Gegend gehalten.

Sie führen in ihren Wappen und Stiegel einen ganzen doppelten Adler welchen sie auch sonder Zweifel aus Begnadigung des Kayser bekommen haben.

Es hat auch die Kirche zu Ruhland einen großen Durem (Turm), desgleichen keine in diesem Lande haben soll, und gohören dazu auch viele Dörfer, sonderlich drey Filialen in welchen es einigige Pfarrherren hat als Hohenbocka, Kroppen, Lindenau, erelches ein Anzeichen ist das dies ein gar aller Klüngel sey, denn man den Kirchen heutigen Tages lieber etwas entziehet, als das man viel so wie die Allen gethan haben, sollte dazu geben. In den alten Briefen wird dieses Ruhland eine Vogtey genannt. Jetzige Zeit ist es ein gar geringer Flecken von Holze gebauet und hat wie an anderen Orten mehr arme und unvermögende Leute, welche sich mehrentheils von Hopfengärten erhalten und ernähren.

Von Sagen sind die Ursprünge des Städtleins umwoben. Es ist in der Zeit des Rückflutens der germanischen Völkerwellen in die einst verlassenen Gebiete des deutschen Ostens. 790 zählt man nach Christi Geburt. Im mächtigen Frankenreiche gebietet der große Karl, der, wo’s gilt, die Völker wie Halme mäht und die Saaten künftiger Zeiten streut. Nach schweren Mühen sind seine Heere durch Wald und Sumpf bis hierher ins Elstertal gekommen. Karl, des großen Frankenkönigs ältester Sohn, ist ihr Führer. Ohne es zu ahnen, stehen die Deutschen auf deutschem, heiligem Land. Am Schwarzwasser, wo die deutchen Vorfahren vor 1000 Jahren aus der Glut des Scheiterhaufens die Asche ihrer Toten sammelten und sie in den wohlgefügten Urnen trauernd im Sande bargen, kommt es zur entscheidenden Schlacht. Auf geweihter Erde, geweiht durch den Staub deutscher Heldenleiber, erringen die Deutschen den Sieg. Die geschlagenen Wenden suchen die Gnade der Sieger.

Im Jahre 790 soll Graf Rolando von Blaye, ein Vetter Karls des Großen, bei einem Streifzug gegen die Sorben aus einer vorgefundenen Fischerkolonie die Stadt erbaut und nach seinem Namen Rolando benannt haben.

[Schiemanz erwähnt das 8. Jh. nur kurz in einer Zusammenschau zwischen dem 4. Jh und dem 14. Jh. siehe unmittelbar zuvor}

Themen dieses Abschnitts sind 1.) Rolando von Blaye 2.) Kampfhandlungen in Ruhland 3.) die Kaupenburg und der Elsterübergang 4.) die Fischerkolonie

1. Zum Motiv des »Rolando von Blaye«

Mit der Formel »Caroli Magni Vetter« [siehe zuerst weiter oben bei Strassner: Ursprung und Anfang der Stadt] oder »Caroli Magnie Schwester Sohn« [bei Kerstan: Ruhland] kommt erstmalig ein Motiv ins Spiel, das in den Chroniken wiederholt und in unterschiedlichen Variationen auftaucht. Sehr wahrscheinlich handelt es sich hier um Variationen einer Legende, die die Stadtgründung von Ruhland in eine Beziehung zu Karl dem Großen setzen soll.

Wie kann diese Tradition eingeordnet werden?

Hier muss man in mehrfacher Hinsicht differenzieren: Zuerst einmal bezieht sich die Formel auf eine nicht gesicherte Tradition, wonach der teilweise namentlich oder auch nicht namentlich genannte und dann als Vetter oder Neffe Karls des Großen (∗747/748-♱814) behauptete, Hruotland/Hruodland (∗~736-♱778), im Deutschen und Französischen traditionell auch Roland genannte, Graf von Blaye, der Stadt Ruhland ihren Namen verliehen haben soll.

Folgende Aussagen sind aus heutiger Sicht eher fragwürdig:

  1. Daß sich der historische Hruotland jemals in Ruhland aufgehalten - und dazu noch der Stadt ihren Namen verliehen haben soll, das ist sehr unwahrscheinlich. Die wenigen Quellen verorten ihn in der östlichen Bretagne des 8. Jh., was nicht gerade in nächster Nachbarschaft zur Lausitz liegt. Es gibt bisher keine Quellen, die seinen Aufenthalt in der Lausitz belegen. Darüber hinaus liegen auch über das Leben und Wirken von Hroutland (bisher) nur sehr wenige Quellen vor (vgl. dazu den Artikel Hruotland).
  2. Weiterhin wird behauptet, dass es sich bei Roland bisweilen um den Neffen, ein anderes Mal um den Vetter/Cousin Karls des Großen handle. Dies ist bisher ebenso unbewiesen (vgl. dazu den Artikel Hruotland).

2. Quellen zu Kampfhandlungen gegen die Slawen

Es existieren mehrere Quellen über die militärischen Aktivitäten Karls des Großen und seiner Söhne in den ostelbischen Gebieten. Zwei davon möchte ich hier exemplarisch anführen:

A. Der Feldzug von 789 gegen die Wilzen

DCCLXXXVIIII. Carlus per Saxones iter faciens venit ad Albim fluvium, habens in exercitu suo Francos, Saxones, Sorabos et Abodritos, quorum princeps erat Witzan, Fresones quoque per Habola fluvium navigio venientes. Constructis duobus pontibus, quorum alterum ex utraque parte castellis munivit, transito flumine, Sclavorum, qui vocantur Wilzi, terram ingressus magnis eos proeliis domuit ac dicioni suae subiugavit.

(Quelle: Annales Fuldenses sive Annales regni Francorum orientalis – MGH SS rer. Germ. 7 (1891), Digitalisat der MGH, S.11)

Karl zog durch das Land der Sachsen und gelangte an die Elbe; in seinem Heer befanden sich Franken, Sachsen, Sorben und Obodriten, deren Fürst Witzan war, sowie Friesen, die mit Booten über die Havel gekommen waren. Nachdem er zwei Brücken errichtet hatte, von denen er eine auf beiden Seiten mit Burgen befestigte, und nachdem er den Fluss überquert hatte, drang er in das Land der Slawen vor, die man Wilzi nennt, unterwarf sie in großen Schlachten und brachte sie unter seine Herrschaft.

B. Der Sorbenfeldzug im Jahr 806

Et inde post non multos dies Aquisgrani veniens Karlum filium suum in terram Sclavorum, qui dicuntur Sorabi, qui sedent super Albim fluvium, cum exereitu misit; in qua expeditione Miliduoch Sclavorum dux interfectus est, duoque castella ab exercitu aedificata, unum euper ripam fluminia Salae, alteram iuxta fluvium Albim. Sclavisque pacatis. Karlus cum exercitu regressus in loco, qui dicitur Silli, super ripam Mosae fluminis ad imperatorem venit.

(Quelle: Friedrich Kurze (Hrsg.), Annales regni Francorum inde ab a. 741 usque ad a. 829, MGH, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 6, Hannover 1895, S. 121-122.)

Und wenige Tage nachdem er [Karl der Große] nach Aachen gekommen war, sandte er seinen Sohn Karl [Karl der Jüngere] mit einem Heer in das Land der Slawen, die Sorben genannt werden und jenseits der Elbe siedeln; Bei diesem Feldzug wurde Miliduoch, der Anführer der Slawen, getötet, und die Armee errichtete zwei Burgen, eine am Ufer der Saale, die andere an der Elbe. Nachdem die Slawen befriedet worden waren, kehrte Karl mit seiner Armee an einen Ort namens Silli am Ufer der Maas zurück und begab sich zum Kaiser.

3. Kaupenburg und Elsterübergang

Alle Chronisten erwähnen eine Burg am Elsterübergang. Das Umland von Ruhland muss man sich zu dieser Zeit etwa so wie den heutigen Spreewald vorstellen - nur noch etwas wilder.

4. Fischerkolonie

[Quellen ausarbeiten]

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Neun Knaben erscheinen in weißen Hemdlein vor dem Zelte des Frankenfeldherrn und bringen in neun Schüsseln neunerlei Fische als Huldigungsgabe ihres Stammes, die Erzeugnisse seiner Flüsse und Sümpfe.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Das von Dahlmann eingeflochtene Motiv der 9 Knaben scheint sagenhaften Ursprungs zu sein. Es steht eher unvermittelt zwischen den historischen Schilderungen und lässt einen Einfluss durch die zeitgenössische Sagenliteratur des 19. Jh. vermuten. Ich konnte zwar bisher im deutschen Sprachraum keine schriftliche Quelle mit dem Motiv der »9 Knaben mit weißen Hemden« finden, jedoch gibt es möglicherweise Zusammenhänge mit den beiden von Ludwig Bechstein gesammelten Sagen »Neun Kinder auf einmal« (Quelle: Ludwig Bechstein: „Neun Kinder auf einmal“, in: Deutsches Sagenbuch, Leipzig: Verlag von Georg Wigand, 1853, Nr. 417, S. 352–353) und »Die Eselswiese und die neun Bruno’s« (Quelle: ebenda. S.353). Zur Beschtsein-Forschung vgl. auch das Projekt Bechstein-Texte)

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Der Krieg ist zu End. Die Ruhe ist da. Mitten im Fischerdorf auf einer Kaupe im Sumpfgelände lassen die Sieger eine jener Wasserburgen errichten, von der aus fortan ein deutscher Recke über die Unterworfenen walten soll. Ruhland wird die Burg genannt in dem Land, wo der Kampf dem Frieden wich und das Erobererheer die Ruhe errang.

Andere Geschichtschreiber dagegen behaupten, daß unser Ort schon vor jener Zeit den Namen Ruhland gehabt habe. In jenen alten Kriegen nämlich soll sie ein großer Fürst nach siegreichen Kämpfen in unsere Gegend zurückgezogen und hier sein Hoflager aufgeschlagen haben, um auszuruhen. Die damaligen Bewohner hätten ihn reichlich bewirtet und daraufhin gebeten, zum Andenken an diese Begebenheit ihrem Orte den Namen Ruhland zu geben. Diese Bitte sei ihnen auch gewährt worden unter Zubilligung besonderer Freiheiten und Rechte, wobei auch der Stadt als Wappen ein doppelter kaiserlicher Adler im goldenen Felde verliehen wurde wie es noch jetzt vorhanden ist.

Aber auch noch eine dritte Lesart für den Namen unserer Stadt ist vorhanden. Da nämlich die Wenden ihren Niederlassungen Namen zu geben pflegten, die der Eigentümlichkeit der jeweiligen Gegend entsprachen, und Ruhland an der seinerzeit sehr fischreichen Schwarzen Elster gelegen ist, so wird sein Namen auch von dem wendischen Worte Run=lan=ad abgeleitet, welches eine in einer von Flüssen und Sümpfen bedeckten Ebene gelegene Stadt bedeutet, woraus dann später der Name Ruhland entstanden sein mag.

Von diesen drei Lesarten dürfte jedoch wohl nur die erstere richtig sein. Rolando von Blaye war ein großer Feldherr und hatte Karl dem Großen in seinen Kämpfen gegen die Sorben große Dienste geleistet. Bei seinen Streifzügen soll er nun in hiesiger. Gegend ein festes Lager aufgeschlagen haben. Ihm zu Ehren soll Karl der Große an diesem Platze sein Bildnis in Form einer großen hölzernen Figur - Roland genannt - haben errichten lassen und der Stadt dabei verschiedene Privilegien verliehen haben, unter anderen auch als Stadtwappen einen doppelten Adler. Später soll Karls ältester Sohn bei einem weiteren Feldzug gegen die Sorben auf dessen Befehl die Stadt erweitert, befestigt, mit Wällen und drei Toren - Elstertor, Guteborner und Dresdner Tor - und einer festen Burg, der Kaupe, versehen haben.

Schiemanz (1952)

Zuer Herleitung des Ortsnamens

Die Enstehung des Ortsnamens ist auch heute noch nicht abschließend geklärt.

Strassner bietet eine Herleitung des Namens weiter oben in seiner Einleitung und führt den Namen der Stadt auf Rolando von Blaye zurück.

Kerstan folgt dieser Tradition und schreibt die Namensgebung ebenfalls Rolando von Blaye zu.

Dahlmann leitet den Namen aus der Ruhe nach Kriegshandlungen ab.

Klepper bietet sogar drei Vorschläge. Der erste folgt den o.g. Chronisten und schreibt die Namensgebung Rolando von Blaye zu. Der zweite Vorschlag folgt Dahlman und verknüpft den Namen mit dem Motiv der «Ruhe nach dem Kampf». Der dritte Vorschlag bezieht sich auf die Herleitung der Wortfolge Run=lan=ad aus dem Sorbischen oder Wendischen. Sie gilt heute als unwahrscheinlich (vgl. dazu Ortsregister der Niedersorbischen Ortsnamen). Der Sorbische Name Rolany ist erst im 19. Jh. nachweisbar. Angenommen wird daher die Herleitung aus der Rolandstradition.

Zur Roland-Statue in Ruhland

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es sich bei der Verknüpfung von Rolando von Blaye mit dem Namen Ruhland um eine Volksetymologie handelt, wobei die Lautähnlichkeit des Ortsnamens mit dem Motiv des Rolands assoziiert wird. Diese Lautähnlichkeit kam einer Tendenz entgegen, die sich im 14. Jh. während der Herrschaft Karls IV. (∗1316-♱1378), ab 1347 König von Böhmen und Herrscher der Oberlausitz (vgl. dazu Karl IV.), verbreitete. Im Rahmen dieser Tendenz strebten die freien Städte nach einer stärkeren Autonomie gegenüber den Trritorialfürsten. Ein Sinnbild dieses Strebens war das Aufstellen einer Rolands-Statue auf den Marktplätzen. So ist es denkbar, dass auch in Ruhland im Zuge dieser Tradition eine Rolands-Statue gestanden hat. Die Chronisten berichten davon, jedoch existieren dafür bisher leider keine Quellen.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Aus der Zeit jener Kämpfe stammt auch der Name Sieggraben, zum Andenken an den hier von Karl dem Großen über Wittekind davongetragenen Sieg, und die noch jetzt so genannte, bei Arnsdorf gelegene Zschanka (Schanze), in welcher sich Wittekind verschanzt hatte. Unter Karls des Großen mächtigem Schutz gedieh Ruhland zu einer ansehnlichen Größe. Seine Vorstädte sollen bis Arnsdorf gereicht haben; seine Einwohner, die sich hauptsächlich von Fischerei, Viehzucht und Hopfenbau ernährten, lebten in behaglichem Wohlstande. Der erste Wendenherzog, wecher mit dem Gau belehnt wurde, war Wittekind, welcher 806 starb.

Schiemanz (1952)

Arnsdorfer Sieggraben und Wittekind

Es kursieren bisweilen etliche und scheinbar sehr detaillierte Angaben zu den Bewegungen Widukinds (dux saxorum) in der Niederlausitz im Internet. Leider konnte ich diese Angaben bisher nicht verifizieren. Es ist daher denkbar, dass sie zum einen auf unbekannte lokale Handschriften zurückgehen oder einfach frei erfunden sind. Dies zu prüfen erfordert viel Zeit.

So finden sich beispielsweise hier detaillierte Hinweise auf die Truppenbewegungen Widukinds in der Niederlausitz. Dass Widukind bei Arnsdorf eine Schlacht geführt - und dort eine Schanze erbaut hat, ist durch keine Quelle überliefert. Möglw. wurden die tatsächlich existierenden Überreste eines Erdwalls einer Verteidigungsanlage Widukinds zugeschrieben. Dieser Erdwall hat in der Geschichte Arnsdorfs und Ruhlands auch schon eine begrenzte Aufmerksamkeit erfahren. Vergleiche dazu Schneider, R. (1967) Die alte Wallanlage am Sieggraben und ihre Geschichte. in: 650 Jahre Stadt Ruhland - 1317-1967. Festschrift zur 650 Jahr Feier. VEB Lausitzdruck Ruhland. S. 13 - 15.

Folgt man den Quellen, so gelangt man zu einem Aufsatz von Dr. Frenzel mit dem Titel »Der Lausitzer Grenzwall, ein Riesenwerk der Sechsstädter« aus dem Jahr 1927. Dort schreibt er unter anderem:

Aber die Lanwehr zog sich noch weiter gen Westen: Im März 1399 bittet der Landvogt die mächtigen Sechsstädte um Hilfe, da Heinrich von Waldau das Land beschädigen wolle. Sie sollten Leute zu Hilfe schicken auf die Grenze nach Mückenberg, Ruhland und Senftenberg. Zu dieser schriftlichen Quelle stimmt nun ganz ausgezeichnet, daß sich westlich Senftenberg vom »Römerkeller« bei Kostebrau an bis weit durch den Ortrander Schraden nach der Elbe hinein der sogenannte »Teufelsgraben« erstreckt, ebenfalls wieder ein Langwall, der als Landwehr anzusehen ist. Dahin ritten also die Sechsstädter auch.

(Quelle: Frenzel, W. (1927). Der Lausitzer Grenzwall, ein Riesenwerk der Sechsstädter. in: Jahrbuch der Gesellschaft für Vorgeschichte und Geschichte der Oberlausitz zu Bautzen. Bd. 10 (1927), S. 39)

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Und weiter spinnt die Sage ihre Fäden: In dem siegreichen deutschen Wendenbezwinger sieht sie Roland, den Paladin Kaiser Karls. Nach seinem Namen läßt sie die Burgstätte genannt sein und sein hölzernes Bildnis als Siegesmal und Zeichen der Gerichtsgewalt im Städtlein erstehen. Die gelehrte Forschung hat erwiesen, daß die sogenannten Rolandsäulen keine Standbilder des in den Geischichtsurkunden sener Zeit kaum erwähnten Roland, sondern allegorische Sinnbilder der Gerechtigkeit sind: dem Deutschen erschien das Recht nicht als blinde, immer mit dem Herzen richtende Frau, sondern als starrer, weitblickender, schwertgewappneter Mann. Möglich, daß Ruhland in alten Zeiten eine solche Rugeland=(Rüge=land=) Stadt gewesen ist, wird's doch eine Vogtei genannt und von ihrer viel größeren Ausdehnung gesprochen; möglich auch, daß der Name von der Bodenbeschaffenheit unserer Gegend (Rauh Land ?) herrührt. Oberpfarrer Liebusch in Senftenberg leitet den Namen Ruhland ab vom wendischen Run=lan=ad: „eine größere Niederlassung in fluß= und sumpfreicher Ebene“. Sprachkundige halten aber auch diese Namenerklärung für mehr als fraglich.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Auch Dahlmann kommt jetzt auf Rolando von Blaye zu sprechen, ordnet diese Aussage aber bereits einer sagenhaften Überlieferung zu. Ebenso vetritt er die Ansicht, dass die Rolandstradition und die Rolandsäulen - wie weiter oben bereits erwähnt - einer anderen kulturellen Stömung zuzuordnen sind.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Mit der Sage von der Gründung Ruhlands beschäftigen sich auch die folgenden beiden Gedichte, denen weniger um ihres Wertes, als um ihres Alters willen hier ein Platz eingeräumt sein mag. Das lateinische stammt angeblich von dem berühmten kursächsischen Leibarzt Dr. Peucer her, dem Schwiegersohn Melanchthons; der Verfasser des deutschen ist unbekannt.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Dahlmann beruft sich hier auf einen Dr. Peucer. Es handelt sich dabei tatsächlich um eine historische Person. Caspar Peucerus (∗1525-♱1602) war Professor für Mathematik und später Medizin in Wittenberg, dann auch eine Zeit lang Rektor der Universität Wittenberg, zudem Leibarzt des sächsischen Kurfürsten August und ein Vertreter des sogenannten Philippismus. Er heiratete am 2. Juni 1550 Magdalena Melanchthon (∗1531-♱1576), die jüngste Tochter Philipp Melanchthons. Somit war er auch der Schwiegersohn Melanchthons.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Fixit avunculus insigni duce castra Rolando,
Carolus hoc contrate, Witechinde solo,
Quem magnum pietas vindex victricibus armis
Orbis et occidui reddidit imperio.
Te debellatum pepulit, mansere Rolandi
Hinc statuae, tanti fixa trophaea ducis,
Quae libertatis tunc partae quodque tulere
Tempore tam longo, funt monumenta jugi.
Nam victor pariter Sorabo sua jura propinquo
Atque hinc Lusatis indidit atque Henetis.
Nec formidatus belli tam Sorte secundi
Quam propter charus mitia sceptra fuit.
Hinc ille armata patulaque urbs libera quaevis
Lege fuit Franca qua stetit effigie.
At non ulla tamen factis famaque celebre
Oppidulum praeter nomen id obtinuit
Amplum circuitu quondam, nunc pene cadaver
Devastata manu Martis ut esse solent.*)

*Auf Rolands glänzender Heeresfahrt ließ sein Oheim
Karl auf diesem Grund und Boden gegen dich, Wittekind, ein festes Lager
schlagen, er, den mit der Waffen Sieg die schirmende Liebe zum Volk groß
gemacht durch die Gewalt über den römischen Erdkreis und über das West=
land. Nieder rang er dich im Kampf und hat dich vertrieben; stehen
blieben seither des Rolands Säulen, errichtet als Siegesmale des mächtigen
Kriegsherrn. Deutzeichen sind’s der damals errungenen Freiheit,
aber auch der Art des Jochs, das man in so langer Zeiten Dauer
getragen. Denn der Sieger legte sein Gesetz und Recht auf so dem benachbarten
Sorben und von hier aus den Lausitzern, wie den Henetern auch.
Und wie er furchtbar war durch das Glück solch sieghaften Krieges, war
er nicht minder um feines Szepters Milde geliebt. Seitdem war jedwede
Stadt nach fränkischem Gesetz eine freie, in der er im gewaltigen kriegs=
gewappneten Bildnis stand. Aber dennoch hat das Städtlein, obwohl
durch Ruhmestaten gefeiert, keinen Vorteil erlangt, als den Namen allein,
einst an Umfang groß, nun nahezu ein Leichnam, wie da pflegen zu fein,
die des Kriegsgottes Faust verheerte.“

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Bei diesem Gedicht handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Versepos mit 500 Strophen und dem Titel IDYLLIUM PATRIA. Peucer hat dieses Epos im Gefängnis in Leipzig verfasst. Der volle Titel lautet:

IDYLL PATRIA, DAS DIE GESCHICHTE JENER REGION ERZÄHLT, DIE EINST ALS PROVINZ NISSA [Neiße] UND NIZZA BEZEICHNET WURDE, HEUTE ABER HEXAPOLIS [Sechstädtebund] UND OBERLAUSITZ HEISST,
VON CASPAR PEUCER, DOKTOR DER PHILOSOPHIE UND MEDIZIN, IM GEFÄNGNIS VERFASST UND GEWIDMET DEN VORZÜGLICHSTEN ORDEN DIESER REGION ALS DENKMAL UND EWIGES ANDENKEN DER DANKBARKEIT GEGENÜBER GOTT UND DEM VATERLAND.
BUDISSIN, 1594. ERSTE, JETZT ZWEITE AUFLAGE AUS DER BIBLIOTHEK DES ZITTAWER SENATS

(Quelle: Scriptores Rerum Lusaticarum Antiqui & recentiores, Seu Opus, In quo Lusaticae Gentis Origines, Res gestæ, Temporum vices ... recensentur : quidam nunc primum ex Manuscriptis eruti, inter quos Christophori Manlii Rerum Lusaticarum Commentarii diu desiderati deprehenduntur, nonnulli vero ex Libellis fugientibus, ob raritatem in Corpus conjecti, ex Bibliotheca Senatus Zittaviensis editi. [Tomus Primus], S.56 siehe a.a.O. Vers 38ff.)

Inwieweit das Gedicht einen direkten Bezug zu Ruhland hat, wird hier nicht ersichtlich.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Einst, wo Fischerhütten gebaut am Elsterstrand,
Biederheit und Sitten sich, reichten die Hand,
Wo graus die stolzen Eichen ihre Wipfel ausgespannt,
Der Götter heil’ge Zeichen, deren. Tempel Hain benannt,
Wo in schauerlicher Kühle den Teut gebetet an
Die Fischerfamilie auf einem Elsterkahn,
Wo mutig sprang auf Auen einst der muntre Stier,
Hopfen tat man bauen und braute gutes Bier:
Da kam aus fernen Landen ein großes Kriegesheer.
Ein heft’ger Kampf entbrannte für der Christen Lehr’.
Graf Rolando von Bloye, des Kaisers Schweitersohn,
Und viele ihm Getreue zogen gegen der Götzen Hohn.
Da ward in jenen Tagen über Wittekindes Macht
Eine große Schlacht geschlagen, die Heiden weggejagt.
Und wo gefochten haben die Völker jener Zeit,
Nennt man den Siegesgraben von Arnsdori her bis heut.
Aus dem Elstertal, dem Land der Aale, der Hechte, Karpfen und Giesen Strand,
Sendeten zu dem Siegesmahle die Fischer dem großen Roland

Mit weißen Hemden angetan neun Knaben mit neunerlei Gerichten Fisch;
In neun Schülsseln trugen solche diese Gaben zu dem Feldherren=Tisch:
„O großer Feldherr, verleihe, zu bringen unsern Gruß
Aus dem Elstertal, wo Treue bitten um Friedensschluß.“
Auf stund der Feldherr von dem Sitze, und Hellebard und Schwerter=klang
Schlug zusammen mit der Spitze durchs ganze Heer entlang,
Und sprach: „Eine Stadt will ich euch bauen aus eurem Fischerdörfchen dort,
Damit im Elstertal Vertrauen und Liebe sei der Fürsten Hort.
Will auch zum ewgen Angedenken als Wappen dieser Stadt
Den doppelten Adler schenken, wie ihn der, Kaiser im Reichs=panier hat."
Und seit jenem Tage ist diese schöne Zier
- So berich't die Sage - im goldnen Felde hier
Als Wappen wohl zu schauen, wie allgemein bekannt,
Un der Elster Auen im freundlichen Ruhland.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

 

 

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Sind die fränkischen Heeresfahrten gegen die Sorben bis in unsere Gegend gekommen, so haben ihre Eroberungen jedenfalls nur vorübergehende Bedeutung gehabt. Die Sachsenkaiser beginnen von neuem die Wiedergewinnung des Landes östlich der Elbe.

Unter den anderen einst dem Wendenvolke heiligen Hügeln grüßt im Osten die Höhe des Koschen zu unserer Ebene herüber. Am Fuße dieses Berges schlug nach der Sage Gero, der gewaltige Markgraf König Heinrichs 1., den Wendenherzog Radbot in vernichtender Entscheidungsschlacht.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Das am Koschenberg ein Wenden-Heiligtum bestanden haben soll, wird in den Lokaltraditionen überliefert. Schriftliche Quellen finden sich dafür bisher nicht.

Eine große Schlacht zwischen Gero und einem Wendenherzog Radbot ist aus heutiger Sicht ebenfalls nicht nachweisbar. In den Lokaltraditionen wird dieses Ereignis jedoch berichtet. Mit Gero ist hier wahrscheinlich Gero I. (∗?-♱965) gemeint. Über das Wirken eines Wendenherzoges mit Namen Radbot gibt keine Quellen. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Verwechslung mit dem Friesenkönig Radbod (∗?-♱?) um 679~719, der jedoch ca. 200 Jahre vor Gero I. gelebt hat. Auch eine Verwechslung mit Ratpot (∗?-♱?) wäre denkbar, der um 835~854 als Präfekt des bayrischen Ostlandes bezeugt ist. Jedoch lebte auch dieser 100 Jahre vor Gero I. Zur Herkunft des Namens siehe auch Ratbot.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

806

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Die Bemühungen Karls des Großen, die Wenden zum Christentum zu bekehren, wurden von diesen energisch bekämpft, indem sie die zu ihnen gesandten Priester vertrieben, die Kirchenbauten zerstörten und ihre gestürzten Gottesbilder wieder aufrichteten.

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

922

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

In den nächsten Zeiten kämpften die Wenden lange und hartnäckig um ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Als Heinrich I. Herzog von Sachsen, den deutschen Kaiserthron bestieg, war es jedoch mit der Unabhängigkeit der Wenden vorbei, indem er sie im Jahre 922 bei Tätzschwitz - 3 Stunden von Hoyerswerda entfernt - schlug, woraufhin sie Unterwerfung gelobten. Die Lausitz, das bisherige Wendenland, war nun zu einer deutschen Provinz geworden und die Wenden hatten ihre langumstrittene Freiheit für immer verloren.

Schiemanz (1952)

Bei der Ortslage Tätzschwitz handelt es sich wahrscheinlich um den heutigen gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Elsterheide, ca. 13,5 km nordwestlich von Hoyerswerda. Die fußläufige Entfernung entspricht grob der hier angegebenen Zeit von ca. 3 Stunden. Zu Pferd wäre die Reisezeit daher kürzer. Der Ort wird urkundlich erstmalig 1401 erwähnt. Vor dieser Zeit gibt es keine Quellen. Eine Schlacht ist hier nicht belegt.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

929

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Im Jahre 929 werden die wendischen Bewohner unseres Landes dem deutschen Könige tributpflichtig. Politisch liegt das neu entstehende Markgraftum für das ganze Mittelalter, ähnlich wie Böhmen, außerhalb der Grenzen des Reiches; zu keinem seiner späteren 10 Kreise wird es gezählt. Es war die Grenzmauer gegen den Osten. Die goldene Mauer mit schwarzem Mauerstreifen im blauen Feld ist darum hernach das kennzeichnende Wappen der Grenzmark „über dem Sumpfland“ (=Oberlausitz) geworden.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar ergänzen...

Winter 928/929: Heinrich I. eroberte die Hevellerburg Brandenburg/Brennabor.


Frühjahr bzw. Frühsommer 929: Feldzug gegen die Daleminzier. Nach einer etwa zwanzigtägigen Belagerung wurde die Burg Gana eingenommen. Gana wird meist im Raum um Jahna beziehungsweise Meißen gesucht.


929: Heinrich ließ vermutlich die Burg Meißen als wichtigen Stützpunkt anlegen. Die genaue Datierung und die Identifizierung der frühesten Burganlage sind allerdings nicht völlig unproblematisch.


Sommer/Herbst 929: Aufstand der Redarier nach der Eroberung von Walsleben.


4. September 929: Sieg des sächsischen Heeres unter Bernhard und Thietmar über die Redarier bei Lenzen an der Löcknitz. Dieses Ereignis betrifft den Raum westlich beziehungsweise nordwestlich der späteren Mark Brandenburg, nicht die Lausitz.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

965

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Kaiser Heinrichs Sohn, Otto I., betrieb das Bekehrungsgeschäft der Wenden eifrig weiter. Im Jahre 965 errichtete er das Bistum zu Meißen. Der erste Bischof Burghard wurde vom Papst mit der Leitung aller geistlichen Angelegenheiten sowohl in Meißen als in der Lausitz bestellt und ist als der Begründer des Christentums unter den Lausitzer Wenden zu betrachten.

Schiemanz (1952)

Otto I. (∗~912-♱973) entstammt dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger und war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches. Im Jahr 951 wurde er König von Italien und 962 zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

Bischof Burghard (∗?-♱969), eigentlich Burchard von Meißen, wurde kurz vor seinem Tod im Jahr 968 zum ersten Bischof von Meißen ernannt.

Anno 993 und 994

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

waren sehr heiße Sommer, so daß das Getreide und andere Feldfrüchte auf den Feldern vertrockneten.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1000

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

sehr große Hitze, so daß Seen und Teiche ausgetrocknet, und die Fische verfaulten, und ansteckende Krankheiten entstanden.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Bischof Benno von Meißen, derselbe, gegen dessen Heiligsprechung 41/2, Jahrhundert später Luther mit vernichtender Schärfe stritt, befestigte um die Wende zum 12. Jahrhundert durch seine Mönche die Herrschaft des Christentums im Oberlausizer Lande. Ruhland gehört im Mittelalter kirchlich zum bischöflich=meißnischen Archidiakonat Bautzen und stand wenigstens zeitweise unter dem Erzpriester zu Kamenz. Der „Tumprobst“ (Domprobst, noch 1489) in Ruhland hat zu seinem Sprengel die Gegend von Hohenbocka westwärts und von der Elster südwärts bis zur Grenze des Markgraftums Meißen. Zwei Kapläne standen ihm zur Seite, von denen ihn der eine in Hermsdorf, der andere in Hohenbocka vertrat.

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Dahlmann macht hier einen Sprung in das Jahr 1062 zum Bischof Benno von Meißen (∗<1062-♱1105/1107). Er nimmt ebenfalls Bezug auf die Sachsenkriege (1073 und 1075), in denen Benno von Meißen dem König jedoch die Gefolgschaft verweigerte und eher um eine friedliche Lösung bemüht war.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1018

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

In den nächsten 20 Jahren versuchten die Wenden wiederum ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen, wozu sie sich schließlich mit den Polen verbündeten, bis im Frieden zu Budissin am 30. Januar 1018 die Niederlausiz und der größte Teil der Oberlausitz zu Polen fiel. In diesen langen Kriegsjahren wurde Ruhland schwer von den Drangsalen des Krieges heimgesucht.

Schiemanz (1952)

Der Frieden zu Budisin ist ein historisches Ereignis. Der damit bezeichnete Friedensvertrag wurde am 30. Januar 1018 auf der Ortenburg bei Bautzen zwischen dem Kaiser Hainrich II. (∗973/978-♱1024) und Boleslaw I. Chrobry (∗965/967-♱1024) unterzeichnet. Die originalen Urkunden zum Friedensschluss wurden bisher leider nicht gefunden. Das Ereignis wird nur von Thietmar von Merseburg in einer Sekundärquelle (Thietmar, Chronicon VIII, 1, MGH SS rer. Germ. N. S. 9, S. 492) berichtet.

Anno 1022

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

sehr große Hitze, das Menschen und Vieh umkamen.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1024

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Nach Heinrichs Tode wurde 1024 Konrad II. zum deutschen Kaiser gewählt, unter dessen Regierung die an Polen abgetretenen Gebietsteile der Lausitz wieder an Meißen kamen und bis 1076 verblieben.

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1028

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

fielen im Frühjahr fast alle Tage finstere Nebel ein, daraus in der Fasten großer Gestank erfolgte, und kurz nach Ostern die Raupen, Heuschrecken und Molkediebe (weiße Schmetterlinge) dermaßen gemein waren, daß die Raupen alles Laub auf den Obstbäumen und Wäldern, und die Heuschrecken alles Gras und andere Kräutrich in den Gärten und auf den Feldern gefressen haben. Nach diesen sind die Raupen und Heuschrecken den Leuten in die Häuser gekrochen und gräulich gestunken. Die Molkediebe aber wo dieselben auf den Kohl gefallen, da lagen sie nicht anders als ein Schnee, und als solche gestorben, stanken sie auch ermäßlich; dadurch den die Luft dermaßen verderbet, das um Galli viele Menschen des jählingen Todes starben, sowohl das Vieh sehr dahin fallen mußte, denn es an den verderbten Futter sich die Krankheit und den Todt gefressen. Letzlich starben auch die Hunde von den todten Vieh.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Sichere historische Quellen für eine Raupen- oder Heuschreckenplage in der Niederlausitz konnte ich bisher nicht finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Überlieferung keinen Wahrheitsgehalt hat. Es werden auch durch andere lokalen Chroniken und aus späteren Zeiten verschiedene Plagen durch Raupen und Insekten überliefert. Die Website der Gemeinde Ohorn berichtet beispielsweise unter Bezugnahme auf eine lokale Chronik, dass sogar ein Gerichtsverfahren gegen die Raupen stattgefunden haben soll. Allerdings ist diese Überlieferung auf das Jahr 1479 datiert.

»In der Fasten« bezieht sich auf die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag.

Mit »Molkediebe« bezeichnete man umgangssprachlich Schmetterlinge, nach FWB-online (siehe: Molke) auch den Kolweißling. Der Begriff geht auf die mittelalterliche Vorstellung zurück, dass sich Hexen auch in Schmetterlinge verwandeln können. Da man beobachtet hatte, dass sich Kohlweißlinge bei Töpfen mit Molke sammelten, ging man davon aus, dass es Hexen sind, die die Molke stehlen wollen.

»Um Galli« bezieht sich auf den 16. Oktober, den sog. Gallus-Tag.

Anno 1029

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

war ein grimmig kalter Winter, und über die Maßen viel Schnee, daraus erfolgte im Frühjahre bei den Aufgehen ein treffliches Gewässer, das sehr lange stand und vielen Schaden anrichtete.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1076

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Nun besserte sich der Zustand des Landes wieder merklich und auch die christliche Religion dehnte sich immer mehr unter der Bevölkerung aus. 1076 kam die Oberlausitz an Böhmen, dessen Herzog Wratislaw vom Kaiser damit belehnt wurde. Unter böhmischer Herrschaft hob sich der Wohlstand der Wendenbevölkerung und deren Bildung, wozu eingewanderte deutsche Künstler und Handwerker viel beitrugen.

Schiemanz (1952)

Eine Lehensurkunde für die Übertragung der Oberlausitz durch den Kaiser, hier ist Heinrich IV. (∗1050-♱1106) gemeint, ist bisher leider nicht belegt. Auch war Heinrich IV. 1076 noch kein römisch-deutscher Kaiser. Zum Kaiser wurde er erst 1105 gekrönt.

Mit Herzog Wratislaw ist hier Vratislav II. (∗1035-♱1092) gemeint.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Die Besitzergreifung

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1120

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Ein riesiger Urwald bedeckte das Land, wo heut unser Dorf Arnsdorf steht. Dunkel und unheimlich war dieser Wald mit seinem Gestrüpp und seinen Sümpfen. Dann und wann durchkreuzte ein Hirsch oder ein Wildschwein sein Dickicht und unterbrach durch das Geräusch abbrechender Zweige auf kurze Zeit das tote Waldesschweigen. Wohl selten aber betrat ein menschlicher Fuß diese Wildnis, bis im Jahre 1120 der Burgunde Arawalt mit seinen beiden Söhnen Arno und Roland nebst einer Anzahl unfreier Mannen, von diesem Urwaldteil Besitz ergriff und am Nordrande des Adlerteiches einen Herrensitz errichtete. Der Wald aber erhielt fortan den Namen seiner Bezwinger. Es entstand westlich und östlich des Adlerteiches der Arnwald und nördlich der Rolwald.

Die Überlieferung von Schiemanz liest sich wie eine Sage oder ein Märchen. Es wäre natürlich für jede Historikerin und jeden Historiker eine wahre Freude, wenn sich für diese Zeit derartig detaillierte Quellen finden ließen. Das ist bisher aber leider nicht der Fall. Für das 12. Jh. gibt es keinerlei Aufzeichnungen für den Raum um das heutige Ruhland. Das liegt unter anderem darin begründet, dass die dort siedelnden Stämme keine Schrift kannten und somit auch keine Aufzeichnungen hinterlassen haben.

Woher Schiemanz nun also diese detaillierten Informationen über den Burgunden Arawalt hat, muss hier vorerst ungeklärt bleiben. Möglw. hat er diese Überlieferung in der verschollenen Schmiegel-Handschrift vorgefunden? Das ist aber reine Spekulation.

Ich möchte aber dennoch auf einige Aspekte eingehen, die dieser Text liefert.

Unbestritten ist in der Forschung, ob Geschichtswissenschaft oder Archäologie, dass zu dieser Zeit das Gebiet um Ruhland, also die sog. Elster-Niederung und der Schraden, eine Landschaft in der Art des heutigen Spreewaldes bildeten - nur viel sumpfiger und wilder. Da Ruhland schon in den ältesten lokalen Überlieferungen als Fischerkolonie genannt wird, kann es als sehr wahrscheinlich gelten, daß hier ausgedehnte Seen anzutreffen waren.

Betrachtet man die älteste mir vorliegende Karte von Arnsdorf aus dem Jahr 1829, so sind darauf noch ausgedehnte Feuchtwiesen zu erkennen, die den Umriß eines früheren großen Sees erkennen lassen. Es wäre hier überaus interessant, mit Hilfe eines LIDAR-Höhenmodells, den Grundwasserspiegel der vergangenen 500 Jahre zu simulieren. Möglicherweise könnte man daran erkennen, welche Ausdehnungen frühere Wasserflächen gehabt haben.

Der Name Arawalt ist weder im Allgemeinen noch im Besonderen in der Lausitz urkundlich bezeugt. Er lässt sich jedoch, wie von Schimanz weiter unten (siehe Schiemanz: 1486) vorgeschlagen, als Ara/Aro/Arn=walt etymologisch deuten. Der Bestandteil Ara/Aro/Arn bedeutet im germanischen »Adler« (vgl. Kluge, F. (1899). Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (6., verb.verm. Aufl.). Trübner. S.1). Der Bestandteil walt ist mit dem deutschen Wort »walten« verwandt und bedeutet »herrschen« oder auch sich »aneignen« (ebenda S.414).

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1149

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Durch Arnos Söhne Johann und Hermann wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts der sumpfige Urwald im Süden und Südosten übernommen. Hierdurch entstand südlich des Adlerteiches der Janwald und südöstlich der Hermwald.

Da einschlägige Quellen für diese Berichte nicht zu erwarten sind, kann man die Überlieferung eher als Aitiologie betrachten. Damit werden die heute vorfindlichen Ortsnamen aus grauer Vorzeit mit einer Begründungserzählung verknüpft

Südlich der heutigen Ortslage von Arnsdorf liegt der Ort Jannowitz, süd-südöstlich der Ort Hermsdorf. Daß zwischen diesen Ortslagen in früheren Zeiten ein großer zusmmenhängender See gelegen hat, ist leider nicht nachweisbar. Jedoch befinden sich in diesem Gebiet ausgedehnte einzelne Teiche, die sich noch in meiner Kindheit über die doppelte Fläche erstreckt haben, heute also sehr viel kleiner sind. Es ist daher denkbar, dass diese einzelnen Teich bei einem noch höheren Wasserspiegel eine zusammenhängende Fläche gebildet haben.

Darüber hinaus ist bekannt, dass der Tagebauaufschluß, der in der 2. Hälfte des 19. Jh. einsetzte, den Grundwasserspiegel in dieser Gegend massiv herabgesetzt hat. Die Ortschroniken berichten weiterhin über viele Meliorations-Projekte, die seit je her eine Trockenlegung der Elster-Niederung zum Ziel hatten.

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Die ersten Siedlungen

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1200

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Um das Jahr 1200 wurden die beiden herrschaftlichen Güter Roland (später Ruland) und Linden Au, (später Lindenau) angesiedelt.

Schiemanz überliefert hier, dass Arnsdorf noch vor der Siedlung Ruhland gegründet worden sein soll und das der Ortsname Ruhland aus dem Namen Roland enstanden ist. Wie ich bereits weiter oben kurz kommentiert habe, ist zumindest diese Namensbildung eher unwahrscheinlich.

Inwieweit Lindenau ebenfalls eine spätere Gründung sein soll, müsste noch überprüft werden.

Anno 1205

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

war ein solcher harter Winter daß das Bier in den Kellern zu Eis gefroren ist.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1211

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

kam der Ruhländer District durch die Marggräfin Mechtildis dem Marggrafen Conradi II. in Brandenburg als eine Mitgift an Brandenburg.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Die Aussage von Strassner ist aus folgenden Überlegungen heraus problematisch.

Markgraf Konrad II. (∗1159-♱1210) von Brandenburg, alias »von Landsberg«, besser jedoch »der Lausitz«, starb bereits vor dem angegebenen Datum 1211. Ein Erwerb oder eine Mitgift durch ihn für das Jahr 1211 wäre daher chronologisch nicht möglich.

Zudem hatte Konrad II. eine Tochter namens Mechthild von Landsberg (∗1185-♱1255), alias Mathilde von Groitzsch, die im Jahr 1205 Albrecht II. von Brandeburg (∗1177-♱1220) heiratete.

Möglicherweise liegt hier eine Namensverwechslung, zumindet jedoch eine ungenaue Formulierung vor.

Jedoch fand am 20. September 1221 eine Besitzübertragung statt, die auch beurkundet ist: »XV. Die Markgräfin Mathilde erkauft die Titel über die Lehen ihrer unmündigen Söhne Johann und Otto, die dem Erzbischofe von Magdeburg von dem Kaiser übertragen war, vom Erzbisthume für 1900 Mark Silber, den 20. September 1221.« (Quelle: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Erster Hauptteil, Band XV, Urkunde Nr. XV, S. 8–9.)

Möglicherweise ist dieser Kauf hier mit einer Mitgift verwechselt worden. Ausdrückliche Quellen für eine Mitgift finden sich leider nicht.

In den folgenden Abschnitten wird das Thema der Übertragung der Herrschaften Camentz und Ruhland an Brandenburg mehrmals und unter verschiedenen Bedingungen von den Chronisten wiedergegeben. Wer sich damit eingehender auseinandersetzen möchte, dem sei der viel zitierte, aber bereits etwas in die Jahre gekommene Aufsatz von Dr. Richard Jecht empfohlen. (Quelle: Jecht, R. (1901) Der Uebergang der Oberlausitz an die brandenburgischen Askanier. in: Neues lausitzisches Magazin. 96 (1920) S. 102-129)

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1225

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Im Jahre 1225 entstand an der Ostseite des Hermwaldes als erstes im westlichen Teil des heutigen Kreises Hoyerswerda [Fußnote: jetzt Landkreis Kamenz] das Dorf Wiednitz.

 

 

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1230

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Ums Jahr 1230 ungefähr kam dann die Oberlausitz entweder als Heiratsgut oder pfandweise - Genaueres läßt sich darüber nicht feststellen - an den Markgrafen von Brandenburg.

Schiemanz (1952)

Diese Aussage ist ungenau und vermischt einige historische Sachverhalte. Für das Jahr 1230 ist bisher keine »Übertragung« der Oberlausitz an die Markgrafen von Brandenburg belegt.

Zwar gab es erste Expansionsbestrebungen der askanischen Brüder Johann I. von Brandenburg (∗1213-♱1266) und Otto III. von Brandenburg (∗1215-♱1267), die bereits um 1230 in das Siedlungsgebiet der sog. Sprewanen mit der zentralen Burg Copnic (heute Köpenick) vordrangen. Eine ausdrückliche Übertragung der noch weiter südlich liegenden Oberlausitz ist damit aber nicht nachgewiesen.

Anno 1268

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1268

Kommentar

sehr wohlfeile Zeit, der Scheffel Weizen wurde mit 1 Groschen 6 Pfennige der Roggen mit 1 Groschen 4 Pfennige und 14 Eier mit 1 Pfennig verkauft.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Ihm folgte 1268 Hoyerswerda, unsere heutige Kreisstadt. Zu dieser Zeit setzte ein starkes Roden der Wälder an allen tiefer gelegenen Stellen ein.

Die Jahreszahl 1268 ist historisch korrekt. In einer Urkunde des Codex diplomaticus Lusatiae superioris, Bd. I, Nr. 42, Urkunde vom 1. Mai 1268, wird Hoyerswerde erstmalig erwähnt. Leider konnte ich kein öffentliches Digitalisat dieser Schrift finden.

Auch dass im 12. und 13. Jh. ein zunehmendes Roden der Wälder einsetzte, ist wissenschaftlich belegt. Während der frühen Besiedlungsphase der Lausitz waren ca. 90% der Landfläche dicht bewaldet. Am Ende des 13. Jh. lag sie gerade noch bei 20%. Vergleiche dazu den Artikel »Geschichte des Waldes in Mitteleuropa« und die dort genannten Quellen.

Anno 1271 - 1273

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

großer Mißwachs, theure Zeit; und Hungersnoth.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1276

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

sehr trockne Zeit; das Wasser in Flüssen und Brunnen sehr klein.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1280

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

wohlfeile Zeit; der Scheffel Roggen 1 Groschen 8 Pfennige; 1 Henne 2 Pfennige, und 15 Eier 1 Pfennig.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1282

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Mißwachs, und Theuerezeit.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Anno 1287, 1288 und 1289

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

sollen die Bäume um Weihnachten wie im Mai geblüht haben:
(was nicht glaublich ist)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Liest man diese Nachricht, so kann man zuerst nicht genau unterscheiden, ob es sich um eine Legende oder um eine Tatsache handelt, da selbst der Chronist seine Zweifel notiert hat.

Wirft man jedoch einen Blick auf das Gebiet der Wettergeschichte (historische Klimatologie), dann findet man dort sogar einen expliziten Nachweis für das Jahr 1289/90. Der Chronist hat also recht! (Quelle: Pfister, C., Luterbacher, J., Schwarz-Zanetti, G., & Wegmann, M. (1998). Winter air temperature variations in western Europe during the Early and High Middle Ages (A.D. 750–1300). The Holocene, 8(5), 535–552.)

Vergleiche auch für den sächsischen Raum die Website Wettergeschichte – milde Winter vom Mittelalter bis heute in Sachsen.

Anno 1301

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

sehr gelinder Winter; alle Bäume bekamen im Januar Laub, sehr trockener Sommer mit großer Hitze.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1303

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

In dieser Zeit erfreute sich Ruhland eines guten Zustandes, wenngleich auch Jahre eintraten, in denen die Bürger mit Teuerung zu kämpfen hatten. Im Jahre 1303 trat eine Aenderung in den Rechtsverhältnissen der Stadt ein, indem in der Lausitz an Stelle des bisherigen sächsischen Rechtes das Magdeburgishe Recht eingeführt wurde, nach welchem der Landvogt und die Schöppen - aus Rat und Bürgerschaft gewählt - Recht sprachen.

Schiemanz (1952)

Diese Überlieferung entspricht sinngemäß den Tatsachen, wobei die Aussage »in der Lausitz« hier nicht wörtlich zu nehmen ist. In der gesamten Lausitz wurde das Magdeburger Recht nicht einheitlich eingeführt. Zu dieser Zeit gab es nämlich keine übergeordnete Instanz, die einen derartigen Schritt hätte veranlassen können.

Worum geht es hier überhaupt?

Bereits Anfang des 13. Jh. entstand eine der bedeutendsten Sammlungen von Rechtstexten, der sog. Sachsenspiegel, der in weiten Teilen Europas Verbreitung fand. Diese Rechtstexte behandeln zwei Themengebiete, das Landrecht und das Lehensrecht. Als Autor wird Eike von Repgow angenommen, wobei ihm die Verfasserschaft der Texte zum Landrecht zugeschrieben wird, die einen weitaus größeren Teil einnehmen. Das sächsische Recht fand in den Städten und Markgrafschaften der Lausitz Anwendung.

Das Magdeburger Recht (auch hier) ist eine Sammlung von Rechtstexten, die ursprünglich in Magdeburg niedergeschrieben, und später sukzessive erweitert wurde. Man könnte sagen, dass es sich um eine Art frühes bürgerliches Stadtrecht handelt. Der Schwerpunkt lang zu Beginn der Niederschrift auf dem sog. Kaufmannsrecht. Außerdem fixiert das Magdeburger Recht erstmals eine Art Prozessordnung.

Die Forschung nennt die Wirkungs- und Anwendungsbereiche beider Rechtskorpora auch »Rechtskreise« und geht davon aus, dass sich beide Kreise ursprünglich durchdragen und beeinflussten. Daher kann man nicht einfach sagen, dass das Magdeburger Recht in der Lausitz eingeführt wurde.

Vor dem Hintergrund des aufstrebenden städtischen Bürgertums und dem zunehmenden Unabhängikeitsstreben der Städte (siehe Rolandstradition), ist es plausibel, dass auch in Ruhland das Magdeburger Recht ab 1300 bevorzugt angewendet wurde. Dazu war eine Neuordnung des Gerichtswesens nötig, indem für die Rechtsprechung neben dem Landvogt nun auch ein Gremium von Schöffen gewählt wurde, die die Bürgerschaft vertraten.

Anno 1312

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1312

Schiemanz (1952)

Kommentar

regnete es vom Monat Mai bis zum December gar nicht, wodurch bis 1315 eine solche Theuerezeit entstand, das der Scheffel Roggen bis 32 Thaler kam; viele Menschen vor Hunger starben, indem man das Getreide in Sicilien holen mußte; was damals viel Zeit erfordert und Geld kostete; ganz Ortschaften sollen vor Hunger ausgestorben sein.

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

Zn den Jahren 1312-15 herrschte Hungersnot und Pest, und es starben ganze Dörfer aus. Die dadurch entstandene Teuerung hielt bis 1319 an.

Schiemanz (1952)

Für die Pest in Ruhland habe ich keine primären Quellen finden können. Es gibt keine offiziellen Listen oder Berichte über die Pest in der Stadt. Dass die Pest aber des Öfteren in der Niederlausitz gewütet hat, ist durch andere Ortschroniken überliefert. Ein Sterberegister für Ruhland ist aus dieser Zeit (bisher) nicht nachgewiesen, da bisher keine Zeugnisse über die Gründung einer Filialkirche vorliegen (siehe dazu auch Klepper 1342).

Einige Ortschroniken überliefern Pestepedemien in Calau, zwischen 1360 und 1399, sowie auch in Werenzhain um 1630.

 

 

Anno 1317

Dahlmann (1905)

Klepper (1922)

1317

Kommentar

 

 

Wo Ruhland zum ersten erwähnet wird, heißet es Ruhland, und ist der Mittelpunkt einer der größten Herrschaften der Oberlausitz.

Urkundlich finden wir „Rulant“ (- nirgends heißt der Ort „Roland“ -) zum ersten Male im Jahre 1317 erwähnt. Es scheint damals der Mittelpunkt einer der großen Oberlausitzer Herrschaften gewesen zu sein. Wem es im 13. Jahrhundert gehört hat, wissen wir nicht.

Klepper (1922)

wurde Dorf Ruland, (heut Ruhland) an der schwarzen Elster, neben dem schon vorhandenen Gut gegründet.

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

1319

Schiemanz (1952)

Kommentar

Strassner (1864)

Kerstan (1903)

Dahlmann (1905)

In diesem Jahre starb auch Markgraf Waldemar von Brandenburg ohne männliche Nachkommen.

Die Oberlausitz ergab sich darauf freiwillig dem König Johann von Böhmen, nachdem sie fast 90 Jahre zu Brandenburg gehört hatte; so war nun die Oberlausitz wieder mit Böhmen vereinigt.

In diesen Zeiten wurden die Urkunden über die ältesten Privilegien unserer Stadt nach dem Hradschin in Prag gebracht, wo sie aber einige Jahre später durch Feuer vernichtet wurden, sodaß die wertvollsten Urkunden über die Anfangszeiten unserer Stadt damit verloren gegangen sind.

Schiemanz (1952)

 

 

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