Pietät gegen dich, mein Vaterland, und dich, o Muttererde, liebendes Interesse an deinem Leben und deinem Schicksal, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat für deine Kinder. Vaterland und Muttererde! Aus dir ist unser Leib zuerst gebildet, das Stücklein Erde, das wir an uns tragen, aus deinen Staub, der das Blut und den Schweiß unserer Ahnen trank, der ihre Freuden und ihr Herzleid sah, und in dem sie entgegenschummern dem großen Tage. Und unsere Seele bildet geschäftig ihre Art und Farbe aus dem Material deiner Stimmung, deines Charakters und deines Geschickes. Wie das Wurzelgefecht des Waldes, so liegen unserer Gegenwart und unseres gemeinsamen Lebens saugende Wurzeln gebettet in der Geschichte deiner Vergangenheit.
Und du, einfach=schlichtes, deutsches Elternland, schwarz ruhen die Kohlen in deinem Schoß, die Schätze der Wärme, weiß der blendend reine Sand, aus dem des Glases Kristall ersteht, und rot das Eisengestein, das sich gestaltet in deiner Hammerwerke Glut. Grün ist deines Kleides dunkle Farbe, und goldig tief deiner Wasser träumendes Auge, wenn der Sonnenball hinter deines Kleides Säumen sinkt. Mögen andere eine vornehmere Mutter haben, — wie solltest du deinen Kindern nicht wert sein in deiner schlichten Art und in deinem Leben voll Mühsal und Not! Lieben sollen sie dich und nimmer dein vergessen!
Mögen die Fremden deiner nicht achten, du armes Städtlein, und deiner Flur; sie kennen dich nicht und was du erlebt und getragen hast. Wir aber ehren dich, wie man ein schweres Schicksal ehrt, und harren des Segens der Ahnen.
Als ich von der Regierung am 1. April 1921 als kommissarischer Bürgermeiſter hierher geschickt wurde, vermißte ich im im Laufe der Amtsgeschäfte das Vorhandensein einer Chronik der Stadt.
Da inzwischen auch sonst von verschiedenen Seiten der Wunsch nach einer solchen laut geworden ist, so habe ich es im Nachstehenden versucht, eine Chronik der Stadt Ruhland zusammenzustellen. Wie beim Lesen derselben bekannt werden wird, ist Ruhland mehrfach fast völlig abgebrannt; bei diesen Bränden sind auch die vorhandenen Aufzeihnungen aus der Geschichte der Stadt mitverbrannt.
Aus den wenigen vorhandenen Ueberlieferungen habe ich nun eine Zusammenstellung gemacht, die mangels urkundlicher Unterlagen an manchen Stellen keinen Anspruch auf geschichtliche Genauigkeit machen kann. Mit dem Jahre 1864 hörte das vorhandene Material gänzlich auf. Von 1875 ab habe ich die Aufzeichnungen unserer Lokalzeitung, der „Elster-Chronik“, entnommen.
Trotz der mit der Zusammenstellung dieser Chronik verbunden gewesenen Schwierigkeiten und - wie schon vorher erwähnt - vielleicht einiger geschichtlicher Ungenauigkeiten, hoffe im dennoch hiermit der Einwohnerschaft nunmehr eine zusammenhängende Chronik unserer Stadt geben zu können. Als Abschluß der geschichtlichen Aufzeihnungen habe ich den Ausbruch des Weltkrieges gewählt.
Wenn es mir nun mit diesem Büchlein gelungen sein sollte, der Ruhländer Bürgerschaft ein anschauliches Bild der Vergangenheit unserer Stadt vor Augen führen zu können, so ist sein Zweck damit erfüllt.
Die Chronik von Arnsdorf ist aus einem alten Schriftstück eines Herrn Schmiege entstanden, welches 1912 im Kirchturm zu Ruhland gefunden wurde. Außer diesem alten Dokument leitete mich noch das im Jahre 1925 von Herrn Schulrat Scholz herausgegebene Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Da unser Dorf Arnsdorf, wie fast alle Dörfer des westlichen Teiles des Kreises Hoyerswerda, aus dem Bereich der früheren Herrschaft Ruhland hervorgegangen ist, so konnte seine Entstehung nur in Verbindung mit der Geschichte dieser Herrschaft niedergeschrieben werden. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Chronik, denn ich habe nur die Volksschule besucht. Möge meine Niederschrift allen Arnsdorfern und unsren späteren Generationen, einen Einblick über die Entstehung und Entwicklung unseres Heimatortes geben, möge sie aber auch allen Lesern die Sorgen und sozialen Nöte unserer Vorfahren veranschaulichen. Wenn dies geschieht, dann ist der Zweck meiner Arbeit erfüllt.
Dahlmann war als Pfarrer in Ruhland tätig. Sein Stil unterscheidet sich von dem der anderen Chronisten völlig. Liest man sein Vorwort, so wirkt es wie eine Predigt, stilistisch hochsprachlich ausgefeilt, fast poetisch, bisweilen sogar etwas "schwülstig". Annerose Schneider hat in Ihrem Aufsatz (Schneider, 1967, S.377) beide Texte wie folgt charakterisiert: "Aus unserem Jahrhundert gibt es zwei Ruhlander Stadtchroniken. Sie schöpfen aus verschiedenen Quellen und stehen als Geschichtswerke für fast extreme Richtungen: Die eine stellt die Nachrichten unverbunden nebeneinander [Klepper]), die andere deutet und kommentiert viel und fast poetisch [Dahlmann]), ihr Leitmotiv ist Heimatliebe, die sich an Armut und Mangel an Bedeutung geradezu erst entzündet."
Klepper und Schiemanz schreiben im Vergleich zu Dahlmann sachlicher und schildern die Umstände, unter denen ihre Chronik entstanden ist.
Schiemanz beginnt seine Chronik, indem er seine Quellen nennt. Er nennt jedoch bisher als einziger Autor die Handschrift eines Herrn Schmiege[l], die 1912 im Kirchtum in Ruhland gefunden worden sein soll. Diese Handschrift hat ihm scheinbar im Original oder als Abschrift vorgelegen. Die Existenz der Handschrift ist bisher nicht belegt. Sie ist nicht (mehr) auffindbar.
Als zweite Quelle nennt Schiemanz das von Herrn Schulrat Scholz im Jahr 1925 herausgegebene »Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda«. Diese Quelle ist als Digitalisat verfügbar.